192
nigstens bemerkt Herr H. Mascke '), der Besitzer der reichhaltigsten Sammlung vonGeschieben Ostpreussens, dass die Brachiopoden der dortigen silurischen Gerölle beialler Aehnlichkeit mit Arten des Silurs der russischen Ostseeprovinzen doch einenabweichenden Habitus zeigen, weshalb es wahrscheinlich sei, dass jene Geschiebe ausSchichten herstammen, welche bei Austiefung des Ostseebettes zwischen Oeland unddem Ehstländischen Glint zertrümmert und zerstreut wurden. Diese Ansicht wird auchunterstützt durch das Vorkommen von Geschieben der Kreideformation in West- undOstpreussen, welche theils von senonem, tlieils auch von cenomanem Alter sind, undbei denen höchstens in beschränktem Maasse an Russland gedacht werden kann 2 ).Möglicherweise existirte zu Anfang der Diluvialzeit eine westliche Verlängerung des inNord-Ehstland anstehenden untersilurischen Schichtensystems, welche nördlich ander Insel Gotland vorbeiging und dann in südlicher Richtung nach Oeland sichhinzog; an dieselbe würde sich gegen S. und 0. die obersilurische Brücke zwischenOesel und Gotland unmittelbar angeschlossen haben. Wenn hiernach gewisse Geschiebebei uns in Anbetracht der Betrefacten Ehstländischen Silurgesteinen gleich oder ähnlichsind, dagegen petrographisch von denselben abweichen, so kann dies weiter nichtWunder nehmen; in dieser Hinsicht möchte ich noch erwähnen, dass nach Mitthei-lungen der Herren Fe. Schmidt und Prof. Dames in Ehstland selbst einige Schichtenin ihrem Verlauf die Gesteinsbeschaffenheit bedeutend ändern und beispielsweise dieZone des Brandschiefers (C. 2) im 0. bei Kuckers die charakteristischen Einlage-rungen eines mürben, bitumenreichen und z. Th. brennbaren Mergels von röthlich-brauner Farbe enthält, dagegen westlich in der Gegend von Reval und Spitham nurdurch einen festen grauen Kalkstein repräsentirt ist.
Ich kann es nicht für meine Aufgabe halten, an dieser Stelle irgendwelche ge-nauere Zusammenstellung der weitschichtigen, auf die norddeutschen Geschiebe bezüg-lichen Literatur zu geben, muss mich vielmehr betreffs derselben auf Weniges be-schränken. Die ersten ausführlichen Mittheilungen über ihre organischen Einschlüssewurden von Klöden in seinen schon erwähnten „Versteinerungen der Mark Branden-
') Zeitschr. d. deutsch, geolog. Ges., XXVIII. p. 49.
2 ) In seinen kürzlich erschienenen „Erläuterungen zur 2. Ausg. der geognost. Karte Liv-,Ehst- und Kurlands", Dorpat 1879, theilt Gkewingk p. 24 mit, dass die Kreideformation in dem be-zeichneten Gebiet bisher nur unterirdisch in Bohrlöchern nachgewiesen wurde, während er in einer1872 puhlicirten Abhandlung das spoi'adische und schollenartige Vorkommen analoger Kreidegehildein Lithauen (Gouvernements Kowno, Wilna und Grodno) besprochen hatte. Herr Jentzscii (Zeitschr.d. deutsch, geolog. Ges., XXXI. p. 790 ff.) scheint dieser russischen Kreide eine grössere Bedeutungfür die Erklärung des Herkommens der ostpreussischen Kreidegeschiebe beizulegen. Grewingk giebtin jener neuen Arbeit zugleich ausführliche Ergänzungen zu seinen früheren Angaben über dieQuartärgerölle in den osthaitischen Provinzen, wobei jedoch ganz vorwiegend ihre Verbreitung unddie an ihnen hervortretenden glacialeu Erictionserscheinungeu erörtert werden.