186
einzelt angetroffen, sparsame devonische Sandsteine bloss in den östlichen Theilenunseres Flachlandes.
Bezüglich der Herkunft der norddeutschen Blöcke und Geschiebe ist es heutefür Jedermann eine unbestrittene Thatsache, dass sie durch ein gewaltiges geologischesPhänomen aus nördlich gelegenen Gegenden hergeschafft worden sind, sei es vonschwimmenden Eisschollen und Eisbergen, sei es durch ungeheure Gletschermassen.Aus der Unterlage des Diluviums selbst können diese Gesteinstrümmer im Wesentlichennicht herstammen, schon weil in jener bisher hauptsächlich bloss die Tertiär-, dieKreide- und die Juraformation nachgewiesen worden sind, namentlich fehlen die altenkrystallinischen Gesteine und die Silurkalke, aus denen unsere Gerolle ganz vorwiegendbestehen. Eine von der Insel Hochland durch die Ostsee nach Bornholm gezogene Liniescheint gegen Süden die Grenze für die Verbreitung der nordischen krystallinischenSchiefer und Alteruptivgesteine zu bezeichnen').
Schon die Geschiebesammler des vorigen Jahrhunderts haben obige Frage zumGegenstand des Studiums gemacht. Einer der thätigsten derselben, der Hauptmannv. Arenswald zu Neuenkirchen bei Anklam, veröffentlichte 1774 eine „Geschichte derpommerschen und mecklenburgischen Versteinerungen," und gelangte darin durch ver-gleichende Untersuchungen zu der Erkenntniss, dass die Petrefacten in den GerollenNorddeutschlands eine grössere Aehnlichkeit mit den schwedischen zeigen als mit den-jenigen, welche in den südlich angrenzenden Gebirgsgegenden vorkommen, woraus erdann den Schluss zog, dass jene Gerölle durch eine Flutli in Schweden losgebrochenund an ihre jetzige Lagerstätte verschwemmt worden seien. Im Jahre 1790 sprachG. A. v. Winterfeld in einem Aufsatz „Vom Vaterland des mecklenburgischen Granit-steins" die Vermuthung aus, dass unsere Granitblöcke in einer früheren Epoche vonnördlichen Inseln, welche in der Gegend des heutigen Schwedens über den Spiegeleines weit ausgedehnten Meeres emporragten, durch Eismassen herbeigeführt wurden.Wie man sieht, wird hier bereits die Treibeis-oder Drifthypothese ausgesprochen,und in der nämlichen Arbeit hat auch v. Winterfeld auf den durch die Strömungendes atlantischen Oceans bewirkten Eistransport hochnordischer Gesteinstrümmer nachder Küste von Neu-Fundland als eine analoge Erscheinung hingewiesen, ganz wie esin neuerer Zeit von verschiedenen Geologen oftmals geschehen ist.
Aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts nenne ich zuerst den ausgezeichnetenNaturforscher G. Wahlenberg . In seinen „Petrificata Telluris Suecanae", 1821,p. 8, äussert er sich folgendermaassen:
„In Germania septentrionali variae adsunt collectiones petrificatorum, quorunispecimina, quamquam ibi collecta, tarnen svecicae originis sunt. Fragmenta enim petrae
') cf. J. Roth , die geolog. Bildung der norddeutschen Ebene, Berlin 1870, S. 22.