Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

weit abgelegenen Kreis, indem es uns mit Beziehung auf den Ober-jägermeister den Eindruck jenes heissersehnten Friedens in buntemBilde vor Augen stellt.

Wir versagen es uns nicht, dieses Zeitbild im Gewände derden Frieden feiernden «St. Antonius-Schützen» zu Cleve hier wiederzugeben, wenn es auch in etwas breiter Form geschehen sollte.Die Schilderung zeigt uns das festliche Leben des Jahres 1648 undzugleich den Kreis der Menschen, mit dem Jobst Gerhard in seinemStammlande in Berührung stand. Sie zeigt uns auch die alteKultur der niederrheinischen Stadt mit ihren Gebräuchen aus alterZeit, den Wohlstand trotz aller Kriegsnoth durch mehr als ein halbesJahrhundert. Wohl ein sonderbarer Gegensatz zu den Wäldern,Heiden und Sümpfen des schwachbevölkerten Preussens! schierunerreichbar auf bodenlosen Wegen, wenn Jobst Gerhard vonseinem angestammten Hause, aus reicher alter Kultur zu Ross oderim schwerfälligen Wagen mit Tross und Begleitung bis in dielitthauische Wildniss bei Insterburg zog, um den Wölfen den Kriegzu machen. Nicht viel anders, als wenn wir uns heute zu Königs-berg auf ein Ross setzten, um tief in dem innern Russland überMoskau hinaus den Wolf zu jagen.

Um den Sinn und Charakter Jobst Gerhard's recht zu erfassen, istes nothwendig, ihn uns in seinem Stammlande vor Augen zu führen-Hart an der Grenze Hollands, zu Zevenaar, lebt seine greise MutterStephans Wittwe die erst im Jahre 1653 das Zeitliche segnete.Holland, noch in der Blüthe seiner Macht und seines Reichthums,eine Kulturstätte von grösster Bedeutung, übt seinen Einfluss aufdas clevesche Land und zieht magnetisch die Bewohner der Grenz-orte an, ihnen geistiges und materielles Interesse bietend Kunst,Wissenschaft, Kriegs- und Staats-Handwerk, Wohlleben Jedemnach seinem Sinne. Der Sohn aus dem alten edeln Geschlechte,dessen Brüder und Vettern in Holland ihr Leben und Schicksalhaben, hat selbst auch dort, trotz aller Ehren, die der Kurfürstauf ihn häuft, den eigentlichen inneren Zusammenhang. Die altenHäuser und Höfe an der Niers, die nicht anders gebaut sind alsdiejenigen jenseits der Grenze, eine halbe Wegstunde weit, sindeben seine Heimat. Die wogenden Weizenfelder, die Wiesenmit dem Vieh, die sauberen massiven Gebäude, die kleinen Städtchen,