Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
29
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Aber die Feinde mochten wohl eine Flucht, wie sie Stephan unter-nommen hatte, für ausgeschlossen gehalten und die Einschliessungnicht so aufmerksam durchgeführt haben, als es in diesem Fallenöthig gewesen wäre.

So gelang es Stephan mit grösster Anstrengung, den schützen-den Sumpf zu erreichen, in den er, jeden Augenblick der Gefahrausgesetzt, zu versinken, so weit als möglich eindrang, bis er, inder Ueberzeugung, unerreichbar für die Feinde zu sein, rastete underschöpft, mit Schlamm bedeckt und nass bis auf die Haut, ineinem Busche zusammensank. Eine furchtbare Nacht verbrachteer in diesem Dickicht! Denn nicht weiter als tausend Schritt vonihm sah er sein geliebtes Vaterhaus in Flammen aufgehen. DieSpanier, die den Käfig leer und den Vogel ausgeflogen fanden,legten nach Plünderung des Castels Feuer an allen Ecken an undzerstörten das feste Haus von Grund aus. Nichts als ein rauchen-der Trümmerhaufen blieb zurück und nur ein Seitenflügel warsoweit im Mauerwerk erhalten, dass in späteren Jahren daraus einHof angelegt werden konnte, der heute noch, von den nassenGräben umgeben, besteht — eine traurige Erinnerung an Stephan'sHeim, das mit allen Erinnerungen und Andenken an die Vorfahrenin jener grauenvollen Nacht zu Grunde ging.

Volle 24 Stunden musste Stephan in seinem unheimlichenVerstecke zubringen. Auf die Schreckensnacht folgte ein entsetz-licher Tag, denn die Spanier Hessen nichts unerforscht, und einWunder ist es zu nennen, dass sie Stephan in seinem Versteckenicht entdeckten. Erst unter dem Schutz der kommenden Nachtkonnte er es wagen, jeden Weg und Steg kennend und nach dereingetretenen Ruhe annehmend, dass die Spanier mit ihrer Beuteabgezogen seien, hinaus zu schleichen. Auf einem seiner Höfevorsichtig einkehrend, um seinen Hunger zu stillen und sich mitKleidung zu versehen, liess er sich über den Verbleib der FeindeAuskunft geben nnd kehrte zu den Seinen zurück.*)

*) Eine merkwürdige Analogie mit diesem Schicksalsschlage, von dem Stephanbetroffen wurde, finden wir genau zwei Jahrhunderte später. Friedrich von Ilerte-feld, der direkte Nachkomme und Erbe Stephans (Herr auf Ilertefeld, Kolk,Liebenberg etc. Siehe die Stammfolge am Schluss), musste mit seinem einzigen SohneKarl im Oktober 1806 vor den plündernden französischen Truppen unter Murat,