Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

Der Verlust seines festen Hauses und die Gefahren, die erim Dienste des Hauses Brandenburg überstanden hatte, veranlasstenden Kurfürsten, ihm am 5. April 1617 die Drostei Huissem zuzu-weisen, die, sicher und geschützt gelegen, ihm und den SeinenSchutz und Unterkunft gewährte. Später, als clevescher Drost in derLimers, bewohnte er mit seiner Familie das Amt zu Zevenaar. Dermaterielle Verlust aber, den er und die Seinen durch Zerstörungdes festen Hauses Kolk erlitten, ist allerdings in jener Zeit von denleeren kurfürstlichen Kassen nicht ersetzt worden. Aus demweiter unten im Wortlaut wiedergegebenen Testamente Stephansergibt sich, dass in jenen ernsten Zeiten sogar die brieflich ver-bürgten Zinsen von den Kapitalien ausblieben, welche Stephan fürseine treuen Dienste vom Kurfürsten verschrieben waren.**) Aberdie Unbill, die Stephan erlitt, trug doch dazu bei, das Band engerzu knüpfen, das zwischen ihm und dem Kurhause bestand. DasSchicksal seiner Kinder und Nachkommen ist dadurch wesentlichbeeinflusst worden und damit auch die Entwicklung, die der Grund-besitz der Familie in späteren Jahren nahm.

Stephan starb 75 Jahr alt im Jahre 1636. Seine Gattin, Annavon Utenhoven, mit der er 44 Jahre die glücklichste Ehe genossenhatte, überlebte ihn um 17 Jahre. Sie starb hochbetagt am 22. De-zember 1653.

Wir besitzen im Archive zu Liebenberg das Schreiben, durchwelches ihr Sohn Georg Wilhelm seinem Vetter Elbert Ludwig von

welche dem Ilohenlohe'schen Corps auf dem Wege nach Prenzlau folgten, woselbstdie bekannte unglückliche Kapitulation stattfand, flüchten. Er verbarg sich während3 Tagen und Nächten im Schilf des «Lindsees» in dem Park zu Liebenberg, derden Namen «die Kappe» trägt. Schloss und Gut Liebenberg wurden unterdessenvollständig und in unerhört roher Weise ausgeraubt und zu Grunde gerichtet. Nurunter grossen Gefahren konnte Friedrich nach dieser Katastrophe seinen Aufenthaltauf dem Vorwerke Hertefeld bei seinen Dienstleuten nehmen, da die Beunruhigungund Plünderung lange Zeit andauerte. Ein Denkmal bezeichnet die Stelle, wo sichFriedrich mit seinem Sohne verborgen hielt.

*•) Die Zinsen der zu Schwäbisch-Hall am 28. Januar 1610 verschriebenen12,000 Thaler sollten jährlich am 4 April mit 720 Thaler gezahlt werden (so langedieses Kapital nicht ausbezahlt worden war). Diese Zinsen sind in den Jahren 1613,1614, 1615, 1616, 1617 nicht gezahlt worden. Ueber diese aufgelaufene Summeverfügt Stephan in seinem Testamente — trotz der Verschreibung des Amtes Hüssemam 5. April 1617 zu Cleve; denn diese erfolgte wegen der Zerstörung von Kolk.(Liebenberger Archiv.)