Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
25
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dem Auftrage, die Lande im Namen des Kaisers in Sequesterzu nehmen.

Markgraf Ernst von Brandenburg, des Kurfürsten JohannSigismund Vertreter, und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, welchetrotz aller Abmahnungsschreiben des Kaisers ihre Regierungshand-lungen in den Herzogthümern fortsetzten, waren unterdessen auchauf Stärkung ihrer Streitkräfte bedacht gewesen und hatten denKriegs-Obersten von Oyen, von Schönberg und den beiden Grafenvon Solms Patente zur Truppenwerbung ertheilt. Kaum hattendiese die Werbetrommel rühren lassen, als von allen Seiten Söldnerherbeieilten, um Dienst zu nehmen, so dass in kurzer Erist45000 Mann zusammengebracht waren. Mit diesen Truppenrückten sie in das Herzogthum Jülich ein und suchten dieSoldaten des Erzherzogs Leopold nach und nach in den besetztenPlätzen einzuschliessen. Die Vorgänge machten den Ausbruch desbaldigen Krieges immer wahrscheinlicher. Der Kaiser liess Mandateauf Mandate folgen, eins drohender als das andere. Im Falle desUngehorsams wurden beide Fürsten mit des Reiches Acht undOberacht bedroht. Alle diese genannten Mandate sind aus derHofburg zu Prag datirt und von dem Vicekanzler Leopold vonStrahlendorff gegengezeichnet. Aus der Frage um die Erbfolgeund das Recht der Succession in den Herzogthümern war allmäligeine Frage der allgemeinen Politik und der Religion geworden, derenTragweite zur Zeit noch ausser dem Bereich der Beurtheilung lag.

Angesichts der feindlichen Haltung Rudolfs II. waren zurWahrung ihrer protestantischen Rechte schon 1608 zuAuhausen in Franken mehrere Fürsten zusammengetreten undhatten die Union begründet, der gegenüber unter Führung desHerzogs Maximilian von Bayern die heilige Liga entstand, diesich eng an die kaiserlichen Interessen anschloss. Die Trennungder protestantischen und katholischen Fürsten nahm immer ernstereFormen an. Als nun die Haltung des Kaisers in der Frage dercleveschen Erbfolge noch grössere Schärfe zeigte, beschloss dieUnion, sich an König Heinrich IV. von Frankreich zu wenden,welcher zusagte, Alles thun zu wollen -- auch mit materiellerHilfeleistung gegen den Kaiser, um den Frieden in Deutschlandaufrecht zu erhalten.