Entwicklung der politischen und religiösen Verhältnisse in Deutsch-land zu einem sehr bedeutungsvollen wurde.
Um Stephan's politisches Wirken in jener Zeit zu verstehen,ist es nicht zu vermeiden, in kurzen Zügen die Lage zu schildern,aus der sich die Gründung der Union, der Liga und die Conventionzu Schwäbisch Hall am 3. Februar 1610 ergab, bei welcher Stephanim Interesse Brandenburgs einen so wesentlichen Antheil nahm.
Die Berechtigung des Hauses Brandenburg in der cleveschenFrage stand ausser allem Zweifel. In einem Gutachten des kaiser-lichen Vicekanzlers Lippold von Strahlendorff, welches 1609 ab-gefasst ist und dem Kaiser vorgelegen hat, wird dieses klar aus-gesprochen. «Ueber dies Alles siehet man schier nicht, wie dieserSache zu remediren sein will, denn die Befugniss der Jüllisch'schenSuccession ist auf der Seite so gross, dass kein Recht sein nocherdacht v/erden, kein Schein ersehen noch erfunden werden, jafasst kein Mittel kaum vorgeschlagen, dadurch in Wege zu bringen,dass Brandenburg nicht sollte dabei gelassen werden.» Dann abernimmt das Gutachten eine Wendung, welche die spätere Haltungder kaiserlichen Regierung erklärt, welche nicht nur zur Blutver-giessung in dem streitigen Lande, sondern zu der Verschärfungin religiöser Hinsicht führte, die acht Jahre später den 30jährigenKrieg heraufschwor.
Strahlendorff führt aus, dass diese Frage nicht des Rechts,sondern «der Politik und Religion sei». Sachsen, welches Anfangsan der Spitze der protestantischen Bewegung gestanden, sei allmäligin den Hintergrund getreten und habe Brandenburg Platz gemacht;Brandenburg aber sei durch seine fortschreitende Vergrösserungnach und nach zu einer solchen Bedeutung gelangt, dass es mitder Zeit dem Plause Oesterreich gefährlich werden könne, «da allealten Feinde dieses Hauses, welche nicht sowohl religio als derregionum odor treibe, sich des Brandenburgischen Aufnelimensund hinwiederum Brandenburg deroselbigen sich wohl gebrauchenkönne». Der schlaue Vicekanzler sucht nun «commoda remedia»,die, bei Zeiten gebraucht, verhindern sollen, dass das Uebel nichtärger werde, «denn Gottlob wohl noch Mittel seien, so Rechtmässigan die Hand genommen, das angehende Feuer, wo nicht gar aus-löschen, dennoch in etwas dasselbe dämpfen können. Zudem ist