Druckschrift 
Margaretha Ebner und Heinrich von Nördlingen : ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Mystik
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

ZU DEN BRIEFEN LX. LXT 397

volk, daz ir so vil leiblos ist worden, so bin ich ein erschrekenlicher

got: daz hon ich geüebet an dem jehen tode, daz der so gemein ist

gewesen und doch mein parmhertzikoit do pei ist gewesen, daz ir so

vil ist, di schön tod haben genomen und di beriht sein mit cristen-

lichen rehten (vgl. QF 36, 144/.). so bin ich ein freier got: daz hon

ich (106') geton an dem unehtigen volk, an den püezzern, daz in

do nach so we ist gewesen, daz. in we gescheh durch mein willen

und daz si ir blut vergüzzen. so hon ich mein gerehtikeit lazzen ent-

slifl'en an den menschen, di hintz Rom do gingen, do ist vil sunden

von vergeben'. BL 129" ad a. 1350 si sprach zu underm herren:

'liber herre, daz du so vil sieg uf di werlt legest, daz ist der pan

und unfrid und der gehe tot!' do antwurt er ir: 'di weil di werlt

nit gesunt wil sein, di weil sint si on siege nit'. in den selben Zeiten

wart si wo! innen, daz di engil den menschen als getreu waren: waz

si gutes heten geton, daz probten si für unsern herren und manten

in des, das er in zu hilfe körn, und do von wurden ir vil beriht mit

cristenlichen (3s. cristenlichem) rehten an iren jüngsten zeiten.

Bl. 129 b ad a. 1350 er sprach: 'nim war wie minnec(130 s )lichen ich

mit dir tu', und maint daz ein ir freunt nut eim verrihtigem tod

starb, er sprach: 'du geminte, ez genizzen tot und lebending sein',

und meint den grozzen sterben der in der werlt was. Bl. 131" ad

a. 1350 si gedoht an den jehen tot, der in der cristenheit was. do

si sein leichnam (131'') enpflng, do antwurt er ir und sprach: 'pin ich

ein strenger rihter meiner feint, so pin ich ein minneclicher minner

meiner freunt' (ebenso 132")- ' Bl. 132 1 ' 'du solt wizzen, daz ditz ding

ein wores urkund ist vor dem jüngsten tag und daz nimant dor an

schuldig ist. ez stet gesetaiben in der propheci, daz vor dem jüngsten

geriht ein grozzer val sol geschechen von dem sterben der menschen.

ich hon meinen himelischen vater zweier ding gepeten. der hot er

mach gewert, daz ein: abslahung der sünde, daz maint er uf daz

gnadenreich jor daz man heist jubileus; daz ander: verrihtigung des

todes mit cristenlichem reht; und daz war urkund mag man dor an

sehen an kinden und an den jungen, daz di aller andehtielichst

enpfohen dize gobe'. do sprach si zu underm herren, wor umb daz

were, daz man di toten als smehlichen het. do antwurt er ir und

sprach: (133") daz wer von den newen fünden, die werltlich und

geistlich mit gezird uf iren leip legten, und daz nimant dor zu nit

tet. do sprach er von den püezzern: 'mein himelischer vater het mir

daz unehtig volk gowunnen, daz in we donoch was, daz si ir pluet

Vergüssen durch mein willen zu einer gehügnüs, daz ich hon mein

pluet vergozzen. da viel geprest ein als in allez daz gefallen ist, daz

ich ie geton hon von angeng der werlt. der höhste orden, der ie

wart, daz was der zwelfpoten orden. der viel an dem karfreitag, daz