HEINRICHS STELLUNG ZUR MYSTIK LXXV
dem schwanken Bohre semer Herzensunstätigkeit, dem bösenBoden seiner Unentschlossenheit (XXVIII, 19/f.) und vonden raufenden Buben seiner thörichten, kindischen Sinne
( X > 18). . .
Von einer eigentlichen mystischen Lehre ist %n Hein-richs Briefen nichts zu finden: ohne irgend welche Spccu-lation geht bei ihm alles im Gefühle auf. Hie und da wolmystisch angehaucht (z. B. XXXVIII, 24#.), ist er doch imallgemeinen mehr Praktiker und Mystiker vom Hörensagen.Im Umgänge mit den Mystikern und mit ihren Schriftenvertraut, eignete er sich eine mystische Predigtiveise an, diebeim Publikum deshalb so grossen Beifall fand, iveil diemystische Pachtung damals in Deutschland, wenigstens ingewissen Gegenden, und besonders bei den Frauen Modegeworden war. Heinrich aber war recht eigentlich ein Frauen-prediger; sein frommes kindliches Gcmüth, sein liebenswür-diger, lenksamer weil wenig energischer Charakter gewannenihm in erster Linie die Sympathien des iveiblichen Qe-ischlechtes. An Geist und Verstand einem Tauler und Seuseweit nachstehend, fand er für die überschwängliche Inbrunstseines religiösen Empfindens einen neben manchem unklarenund überspannten — man vergleiche nur die sentimentalenEingänge seiner Briefe, auf die meist erst sehr spät der Nach-satz folgt (I. III. IV- VE. IX. XVII. XXI. XXXIII) - oftdoch auch wirklich schönen und poetischen Ausdruck. Alm-lich wie bei Mechthild von Magdeburg und andern Visio-närinnen fliesst seine Prosa nicht selten in Beime und Verseüber; seine Sprache ist reich an neuen Wortbildungen, dieBarstellung meist gewandt und immer lebhaft. Dass er diedeutsche Sprache hochhält und die niederdeutschen Offen-barungen der Mechthild, die Heinrich von Halle ihrer un-gebildeten Sprache (barbara lingua) wegen ins Lateinischeübertragen hatte, ins Hochdeutsche zum bessern Vcrständnissumschreibt, ist erwähnenswerth in einer Zeit, wo sogar einSeuse, der doch wie kaum einer die deutsche Sprache zuhandhaben verstand, meinte, Worte aus einem lebendigen
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