Druckschrift 
Margaretha Ebner und Heinrich von Nördlingen : ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Mystik
Seite
LXVIII
Einzelbild herunterladen
 

LXVIII HEINRICHS VERHÄLTNIS ZU MARGARETHA

Nach diesen Bemerkungen von mehr culturgeschichtlicherBedeutung müssen wir nochmals auf Heinrichs Verhältnisszu Margaretha zurückkommen, iveil für das Verständnissseiner Sprache wie seiner ganzen Persönlichkeit eine nähereBetrachtung desselben die nothivendige Voraussetzung ist.

Heinrich theilt mit Margaretha Freud und Leid (I, 31).Er erkundigt sich nach ihrem Befinden (XIV, 46. XXXIII,89) und empfiehlt sie der Pflege ihrer Mitschwestern (XLIV,60). Er hat nur den einen Wunsch, die eigene Gesundheithinzugeben und ihr Leiden zu tragen (XLVII, 32/f.). Erkann es sich nicht ausdenken, dass Gott sie sterben lassein seiner Abwesenheit (XLIV, 61). Wurde doch geradeHeinrich Margarethen auch von andern gerühmt als derGottesfreund, dessen Lehre und Unterweisung sie am bestenauf die Sterbestunde vorzubereiten vermöchten (LXIV, 26/f.).Er ist froh, dass Margaretha so willig sich ergeben, inLeiden hier auf Erden zu wandeln aus Liebe zu ihremHeiland (XL VIII, 41/;), er wünscht, dass all ihr Wesen, Lebenund Wirken mehr Jesus Christus als 'Margaretha Ebnerangehöre (IX, 19f. XVII, 91f.), und hofft, Gott werde nochvor ihrem Ende an ihr seinen liebsten Willen bethätigen,der alle Sinne übertrifft, auf dass sie in seinem Lichte denUrsprung alles Lichtes, den Quell alles Lebens erschaue(XI, Uff.).

Gern iväre Heinrich stets- um sie (XVII, 116/1), alleindie Verhältnisse gestatten es nicht. Er bittet Gott, sie mitseinem eigenen freudebringenden Anblick seine Person ver-gessen zu lassen (XXXVI, 24/f.). Dabei aber verlässt ihnnicht die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen, 'so GottwilV, und er giebt seiner beständigen Sehnsucht nach Me-dingen beinahe in allen Briefen Ausdruck (vgl. XV, 37/".XVI, 92/". XVII, 117. XXII, 10/". XXV, 29/7'.)- Fest prägtsich ihm jede Abschiedsstunde ein, die dem Wiedersehenfolgt und der Beginn neuer Trennung ist; lange kann ernicht das betrübte Antlitz der Freundin vergessen, ihrensehnsuchtsvollen Anblick, ihr schweigsames Gebaren, ihre