XXXVI CHARAKTERISTISCHES
gefunden werden. Derartige naive Anschauungen begegnenhäufiger (80, 4/f.).
Margarctha hatte eine besondere Schwärmerei für Kreuze.Sie trug eines um den Hals, das bis aufs Tiers hinabreichte;desgleichen führte sie stets ein Büchlein mit sich, in demein gekreuzigter Christus gemalt war und welches an jenerStelle aufgeschlagen am Tage auf ihrem Herzen, wahrenddes Schlafens unter ihrem Antlitze lag. Tu besonderer Gnadeschlief sie ein, wenn sie sich ein Kreuz aufs Herz drückte.So stark hatte sie einmal das Kreuz dem Herzen eingepresst,dass sich bereits Todtenmale an ihrem Körper zeigten und,Gott ihr Einhalt gebieten musste mit den Worten: 'schonedich und lass uns auf andere Weise bei einander sein. Oftkonnte sie auch den Anblick eines Kreuzes, besonders wennsie dasselbe vorher nie gesehen hatte, nicht ertragen; derAnblick verursachte ihr Schmerz und Pein und sie tvar un-fähig irgend etwas zu thun und zu gemessen. Schliesslichaber folgte solchen Schmerzen eine innere Begnadigung undso wurde selbst der traurige Anblick des gekreuzigten Er-lösers für sie ein Quell neuer Freuden (20, 19—21, 12.47, 25/f. 88, 19/f. HO, 24/f.).
Margaretha besass ein von Holz geschnitztes Christus-kind in einer Wiege, welches noch heutigen Tages in be-dingen aufbewahrt wird. Sic soll es an ihrer Brust ge-tränkt haben, da der Herr ihr verkündete, er würde sichihr sonst gerade dann entziehen, wenn sie am innigsten seineNähe empfände (88, 3ff.). Ihrer Freundin Elsbcth Schepachträumte ähnliches von Margaretha und sie wanderte sich,dass Margaretha sich nicht solcher Handlung geschämt hätte,da sie doch sonst so zaghaft und schüchtern sei (90, 12//'.).
Neben so überschwänglichen Schilderungen, für derenVerständniss unserer Zeit kaum mehr die dazu erforderlichePhantasie zu Gebote steht, begegnen Stellen, die wirklichzart und poetisch emffunden sind. Liebevoll innig weissMargaretha z. B. vom Christuskinde zu erzählen. Manhatte ihr aus Wien ein Bild gesandt, Jesus in der Wiege