Druckschrift 
Stammbaum der Familie des Dr. Martin Luther
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

führen. Hatte nun Luther schon viele Noth, die flüchtigen Mönche,die ihn umlagerten, auf sichere Lebenspfade zu geleiten, so sah erwohl ein, daß, wenn er nicht auf halbem Wege stehen bleiben wollte,er den Nonnen die Hand bieten müßte, um sie aus ihren Zwingernzu befreien. Auch hier wirkte er wieder durch Schrift und That.

Mehrere Umstände aber, welche das Unternehmen sehr begünstig-ten, bestimmten ihn zuerst eine Anzahl von Jungfrauen aus dem beiGrimma gelegenen Cisterzienser-Kloster (Maria oder Gottesthrongenannt) zu Nimbschen entführen zu lassen. Diese lagen aber 1) inseiner persönlichen Bekanntschaft mit den Augustinermönchen zuGrimma, deren Kloster er schon 1516 im Auftrage des berühmtenv. S taup itz,Generalvicars des Augustinerordens, revidirt, und aufeinem Ausfluge dahin nach seiner großen Leipziger Disputation 1519besucht hatte. Namentlich war dessen Prior von Zeschau sein Freund.Auch weilte er gern in den schönen Umgebungen der Stadt, wie derihm zu Ehren bei Nimbschen genannte Luthersbrunnen zu beweisenscheint. 2) Dann fand zwischen diesem Kloster und dem der Au-gustiner zu Grimma auch insofern ein moralisches Band statt,als der Prior des Letztern zwei Muhmen in demselben hatte, Vero-nika und Margarethe von Zeschau. 3) Ferner war die Verbindungzwischen dem Kloster Nimbschen und der Stadtkirche zu Torgau,deren Patronat das Erstere mit einigen Fluren des stadtischen Gebie-tes besaß, und Naturallieferungen, namentlich jährlich 2 GebräudeBier unentgeltlich daher bezog, der Ausführung eines solchen Planesgünstig. 4) Endlich hatte sich ein sehr geeignetes Organ zur Füh-rung des Handstreiches in der Person eines Torgauer Bürgers, desgewesenen Nathsherrn und Amtsschössers Leonhard Köppe gefunden,eines sehr entschlossenen Mannes, welchem bei seinem damaligenAlter, von beinahe 60 Jahren (denn nach seinem Leichensteine hatte erbei seinem Tode 1552 das K8. Jahr erreicht) die Entführung vonKlosterjungfrauen unbeschadet ihrer Ehre am sichersten anvertrautwerden konnte. Daher ihn Luther auch Pater Prior nannte.

Denn eben dieser Köppe oder Koppe war es, welcher in dem-selben Jahre zu Torgau selbst einen Faschingsstreich gegen das Fran-ziskanerkloster, wovon Grulich in seinen Denkwürdigkeiten dieserStadt erzählt, mit noch 16 andern Bürgern ausführte. Ob Lutherihn schon früher gekannt hatte, oder bei dieser Gelegenheit erst als