Luthers Ehe.
Wei Aufstellung des Bildes von dem Lutherschen Stamm-baum tritt der Natur der Sache nach die Ehe Dr. Martin Luthersund der Katharina v. Bora als der Hauptpersonen in den Bor-dergrund. Gewiß ist es nun an und für sich schon sehr interessant,die Verflechtung einer zahlreichen Familie mit den verschiedenartig-sten Familien in dem Laufe von dreihundert Iahren zu beobachten.Indessen bietet die Anschauung eines Stammes mit seinen mannich-faltigen Verzweigungen mehr den Angehörigen, als Andern einInteresse dar. Dieses würde auch bei dem Anblicke des LutherschenStammbaumes der Fall sein, wenn sich gerade an diesen nicht somanche Betrachtungen, weniger um der Aeste und Zweige, als umdes Stammes und seines Ursprungs willen anknüpften. Erstens istder Stamm aus der Ehe eines Mönchs und einer Nonne nach ihremAustritt aus ihren Klöstern und ihrem Zurücktritt ins Leben erwach-sen, und daher reich an Stoff zu Reflexionen an und für sich selbst.Gerade diese Ehe aber gewinnt in der Geschichte der Reformationdurch Luthers Person und durch ihre Folgen an Bedeutung undWichtigkeit. Greifen wir indessen der Erzählung durch unser Urtheilnicht vor, sondern wickeln wir hier die geschichtliche Rolle dieserganzen Begebenheit ab.
Noch war durch die Anfange der Reformation vom Jahre1517 her, so begreiflich auch den Allermeisten die theoretischen undpraktischen Lehrsatze Luthers waren, und so sehr auch das Volk durchAufhebung des Wuchers der Sündenvergebung selbst in seinen mate-riellen Interessen berührt wurde: die Reformation doch noch nicht inalle Theile des Volkslebens verflochten. Die Reformation traf dieLehre und die Einrichtung der Kirche, aber auch die Studien und dasLeben der Geistlichen. Sie war von der Wissenschaft ausgegangenund sollte durch die Wissenschaft begründet, mit dem Leben aber ver-bunden, und durch das Doppelband gehalten werden. Sie durfte