Druckschrift 
[Hauptbd.] (1833)
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

Dritte Periode.

Vom Tode des Sebastian Gercken bis zur Einsetzung eines vollständigen Patronats 16801821.

Mit dem Tode des trefflichen Sebastian legte auch dessen Binder Valentin G. in Salzwedeldas Patronat nieder und übergab es mit Zustimmung der Familie seinem Solm Sebastian GerckenKaiserl. Rath zu Wien, der nachher in den Adelstand erhoben ward. Dieser setzte den 10. Octbr.16S0 den Solm des verstorbenen Administrators, Nicolaus G., Brauer in Magdeburg zum Nachfol-ger seines Vaters Sebastian G. ein. Beide Walilen waren glücklich. Patron und Administratorbeeiferten sich in grösster Eintracht das angefangene gute Werk fortzufuhren. Die schwebendenProcesse wurden sämmtlich, und meistentheils glücklich, beendigt. Aber es entspannen sich auchneue Processe, z. B. mit dem Stifte Nicolai zu Magdeburg, das den Zelmten von einigen Stipen-dienäckern forderte. Der Process ward erst in letzter Instanz, durch Appellation an den Kaiserl.Reichs-Hofrath zu Wien im Jahre 1692 zu Gunsten des Stipendii entschieden.

Eben so glücklich endigte sich 1693 ein Process, den der Johanniterorden gegen das Stipen-dium wegen einiger Kornpächte erhob.

Auch hat Nicolaus G. als Administrator das Verdienst, dass die bisher noch nicht in regel-mässigen Gang gekommene Abtragung von Pachten, sowohl in quali als quanto gehörig regulirtward, empfand es aber schmerzhaft, dass durch Churfürstlichen Befehl ein Viertheil des ganzenPachtquantums verloren ging. Vergl. oben Abschn. 3.

Der folgende Administrator Dr. Friedrich v. Mascou Arzt und Stadtphysikus in Magdeburg,der die Schwester des Patrons Sebastian v. G. in Wien zur Frau hatte, zeichnete sich durch ge-wissenhafte Pünktliclikeit in der Verwaltung des Stipendienfonds aus. Unter ihm kam alles ineinen ungestörten Gang, obgleich das Stipendium wieder neue bedeutende Verluste erlitt. Dennmehrere der Stiftimg gehörenden Grundstücke wurden in die Festungswerke gezogen, und ein beider Stadt Halle von dem Stifter des Stipendiums belegtes Kapital von 3000 Rthlr. ward durch einezur Regulirung des Creditwesens der Stadt Halle niedergesetzte Königl. Commission bis auf 10 vomHundert reducirt, so dass 2700 Rthlr., ohne die bedeutend angeschwollenen Zinsen, die gänzlichschwanden, verloren gingen.

Nach dem Tode des Patrons Sebastian v. G. erhielt dessen Bruder Georg Gercken 1 ) Kauf-mann in Salzwedel das Patronat. Er erhielt mit dem wackern Administrator das Ganze in guterOrdnung. Leider lässt sich von seinem nächsten Nachfolger nicht ein Gleiches nachrühmen. Der

1) Dieser Georg Gercken setzte in seinem unter dem 28. Decbr. 1714 aufgesetzten und am 25. Octob. 1726 publicirtenTestamente sechstausend Thaler Kapital nach dem 18 Fl. Fusse für die Armen und VVittwen beider Städte Salzwedelund für seine und seiner 2 Frauen Verwandte, wenn diese einer Unterstützung bedürftig sein sollten, und zwar vor-zugsweise für letztere aus. Dies ist das sogenannte Gerckensclie Armen-Legat . Zwei der ältesten seiner Kinder undDescendenten sollen,so lange sie solvendo sind," die Administration dieses Kapitals übernehmen, und nach ihrerbesten Ueberzeugung die Zinsen unter die Armen vertheilen. Auch soll der jüngste Prediger der Neustadt, wenn eres bedürftig ist, jährlich 20 Rthlr. aus diesen Zinsen beziehen und dafür Mittwochs eine Catechismus-Lehrstundehalten. Späterhin ward von der Amtsräthin Berndis geb. Anna Maria Gercken, Enkelin von Georg Gercken undTochter von Valentin Joachim Gercken, das Kapital des Armenlegats um 1000 Rthlr. Geld vermehrt und festgesetzt,dass dieselben als ein integrirender Theil des Georg Gerckenschen Legats unter derselben Administration und zu