Druckschrift 
Versuch einer Geschlechts-Geschichte des reichsgräflichen Hauses von Schwicheldt : aus theils bereits gedruckten, theils ungedruckten Urkunden
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

Zweiter Abschnitt.

weil man nicht wußte, ob der Verkäufer Bruder, Carsten, noch am Leben,oder todt sey, sollte seiner Ansprüche halber Sicherheit beschasst, und dannnach geschehener Zahlung ein förmlicher Vertrag ausgefertiget werden.

Montags nach Latare 1539 refutirten die Verkaufer ihre sämmtli-chen Lehne dem Herzoge Heinrich dem Jüngern zu Braunschweig zu Gun-sten der Kaufer (Nro. 119.); stellten auch in Ostern 1539 einen Revers(Nro. 120.) aus, daß sie bei dem Bischöfe von Hildesheim, wennderselbe ihr Lehnsherr wieder werden sollte, den Consens zu dieser Ueber-lafsung bewürben wollten. Bischof Johann von Hildesheim war nemlich wegenseines Krieges gegen den Bischof von Minden, Herzog Erich und Heinrichdem Jüngern von Braunschweig in die Acht und Oberacht des Reichs erklartworden. Dem Herzoge Heinrich dem Jüngern von Braunschweig war unterm25. Juni 1521 der Auftrag geworden, die Achtserklärung zu vollstrecken. Erund sein Vetter, Herzog Erich, säumten nicht, sogleich in das Bisthumeinzurücken, bemächtigten sich desselben bis auf die Städte Hildesheim undPeine, auch bis auf die Aemter Pei'ne, Steuerwald und Marienburg, alswelche nicht eroberte Theile nachmals das kleine Stift genannt wurden, insehr kurzer Zeit. Kaiser Carl V. belehnte den Herzog Heinrich den Jüngernanno 1530 förmlichst mit dem eroberten Theile des Bislhums, so nachmalsdas große Stift genannt wurde, als mit einem Reichslehne für sich und seineAbkömmlinge, welche Belohnung nachmals von den folgenden Kaisern bis zumAusgange Herzogs Heinrich des Jüngeren Mannsstammes von Fall zu Fallerneuert ist. *) Ob nun gleich die Herzöge von Braunschweig solchergestaltwürkliche und rechtmäßige Landesherren des sogenannten großen Stifts waren:so wollten die Bischöfe von Hildesheim sie dennoch nicht dafür anerkennen,weil sie eine Klage auf Restitution beim pabstlichen Stuhle angebracht und

*) Koch pragmat. Geschichte des Hauses Br, Lüned. 568. v. Selchow Grundriß 2Z1.