72
Erster Abschnitt.
Daneben sagen diese seine Besitzungen so zerstreut und von einander entfernt,daß er an zu vielen Puncten angreifbar erschien, ohne daß es ihm möglichgewesen seyn würde, allenthalben den Seinigen den so nöthigen Schutz kraftigstverleihen zu können. Endlich war er auch des Herzogs Otto des QuadenBeamter zur Harzburg; des Bischofs von Hildeöhelm Volgt und nachmalsErbmarfchall, und stand mit der Stadt Goslar, allwo er sogar selbst eineWohnung in der Stadt besaß, in so engen freundschaftlichen Verhaltnissen,daß sich schwerlich denken laßt, als habe er derselben Unterthanen, Bürgerund Schutzverwandte muthwillig beunruhigen können. Gegen die Stadt Braunsschweig waren zwar seine Verhaltnisse durch den bekannten Vertrag mit denHerzögen von Braunschweig nach der Schlacht bei Winsen im Jahre 1388anders geworden, und dieß mag denn auch wohl die Ursache seyn, warum dieBraunschweigschen Chronikenschreiber ihn als Ruhestörer malen. Sie sahenFolgen, deren Ursache ihnen vielleicht unbekannt war, und so urtheilten sieblos nach den sichtbaren Ereignissen.
Man sieht, wie sehr behutsam man bei Beurtheilung der Sagen derVorzeit auf den Mund derer achten muß, aus welchem sie verbreitet wordensind. Das nähere Interesse des Redenden an dem guten oder schlechten Rufeeiner bezeichnet werdenden Person, und der Standpunct des Redners giebt nurallein den echten Problerstein zur Erforschung der Wahrheit in jenem nebeftgrauen Halbdunkel. Braunschweiger waren die befraglichen Chronisten, undso scheint sich das Licht zur Erhellung von selbst dargeboten zu haben. Mandenke nur an die Geschichte Herzogs Heinrich des Löwen, um ein großesBeispiel mit einem kleineren zu vergleichen. Wie sehr verschieden wird dessenCharacter gemalt, je nachdem der Scribent gestimmt gewesen war.
Uebrigens ist hier noch zu bemerken, daß unser Ritter Hans vonSchwicheldt der erste gemeinschaftliche Stammvater der ganzen berühmten