Druckschrift 
Versuch einer Geschlechts-Geschichte des reichsgräflichen Hauses von Schwicheldt : aus theils bereits gedruckten, theils ungedruckten Urkunden
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Aelteste Kunde der Familie

5

wüßten? Schwerfallig war die Hand unserer Vorfahren zum Schreiben, und,um die dazu zu verwendende Zeit so viel als möglich abzukürzen, vertraueten siedem Pergament oder Papier nicht mehr an, als was nach ihrem Dafürhaltenzur Beurkundung der vorliegenden Sache nöthig war. Daß uns dieses jetzt oftzu diesem oder jenem Zwecke nicht hinreichend erscheint, ist um so natürlicher,als die Schreiber jener Zeilen ohnmöglich wissen konnten, daß uns die dabeimitgewürkt habende Personen wichtiger seyn würden, als die damalige Hand-lung selbst. Ihnen kam es nur auf die Handlung an; und man findet durchdie Erfahrung bestätiget, daß in der Regel nur solche Thatsachs den Anlaßgegeben hat, dieses oder jenes Menschen zu gedenken, nicht aber die Person anund für sich selbst. Es konnte auch nicht anders seyn. Denn welch ein höchsteinseitiges Interesse vermag ein bloßer Namen für die Gegenwart, und wieviel mehr noch für die Zukunft zu erwecken! Die Handlung ist es, welchestets lebendig bleibt, und so jetzt, als künftig zu der Frage anreizt: wer siebegangen habe? Aus diesem einleuchtenden Grunde kann man billiger Weisenicht erwarten, daß dieser oder jener Chronikenschreiber oder Urkundenverfasserblos deshalb, weil es vielleicht in Zukunft dem einen oder andern angenehmseyn würde, über eine gewisse Familie aus jener Zeit Aufschluß zu erhalten,hätte ein vollständiges Geschlechtsregister irgend einer handelnden Person auf-zeichnen sollen. Was geschieht denn heut zu Tage in dieser Hinsicht für dieNachwelt? Wahrlich äußerst wenig, und selbst die in dieser Hinsicht so nützli-chen Personalien sind mit dem sonst gebräuchlich gewesenen höchst unnützen Prunkebei Leichenbegängnissen verbannt und verschwunden. Künftige Jahrhundertewerden sich über uns noch mehr zu beklagen Ursache haben, als wir über dieVergangenen. Kriegsüberzüge und der nie ruhende Zahn der alles zernagendenZeit haben manche Spuren vernichtet, welche ein helleres Licht über dasDunkel der Vorzeit zu verbreiten vermögten. Je länger das übrig gebliebeneWenige unbenutzt vorbei gelassen wird, je mehr und je stärker wird die