Druckschrift 
2 (1855)
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

f)0

Repente*) und am Müritz-See ihren Zufluchtsort, fand; Nachkommen nämlichdes Häuptlings Widekind zu Havelberg**). Erwägen wir jedoch, dass mitAusnahme jener einzigen Urkunde, die nicht bloss den beiden Brüdern, son-dern auch den folgenden Personen das Prädikat nobiles giebt, und zwar nichtvor, sondern nach den Rittern zahlreiche anderweitige Urkunden Mitgliederndes Geschlechtes von Havelberg nur unter der gemeinen Ritterschaft eineStelle anweisen, ohne jegliche höhere Standos-Auszeiehnung***); so müssenwir billig Bedenken tragen, jenes Prädikat in dem Sinne höheren Adels zunehmen. Gewiss sollten in dieser Güstrower Urkunde die nachfolgenden no-biles Slavi, als Slaven adeliger Geburt von den vorangehenden, den Vorrangbehauptenden deutschen Rittern unterschieden werden, wie dies auch in einerUrkunde derselben Zeit des Herzogs Wartislaus III. vom Jahre 1236 geschieht,wo hinter den Rittern die weiterhin aufgeführten Personen mit unverkennbarslavischen Namen; Chanzik, Dobesker, Nenzad von dem Herzoge Slavi nostrinobiles in Dimin genannt werden-j-). Hier sind unzweifelhaft nicht, Personendes höheren Adels, sondern bloss Slaven adeliger Geburt zu verstehen. EinGleiches gilt von einer zu Havelberg P208 ausgestellten Urkunde, wo hinterdeutschen Zeugen des hohen Adel- wie des Ritterstandes erst erscheinen;Sclavi nobiles: Heinricus, Prizz'auiz, Pribbeziauz et Andreas fratresf-j-), diedes Ausstellungsortes wegen füglich für Herren von Havelberg gelten können.

VIII. Die Herren von Ileburg. In den heutigen Grafen von Eulenburgin Preussen blüht ein Geschlecht fort, welches seinen Namen der SächsischenStadt au der Mulde, früher gewöhnlich Ileburg genannt., zu verdanken hat undseine Abstammung von den alten Markgrafen von Meissen. Wettmachen Stam-mes, in der Art abzuleiten pflegt, dass Albert De gen er, Markgraf zu Meissenund Landgraf zu Thüringen drei Söhne hinterliess: I) Friedrich geb. 1257, derMarkgraf zu Meissen und Landgraf zu Thüringen wurde. 2) Ticemann, der1307 in der Kirche zu Leipzig ermordet, worden ist. 3) Heinrich Freiherr zuEulenburg, der mit Hedwig, des Herzogs von Glogau Tochter Botho Herrn zuEulenburg, Sonnewalde, Steinau etc. gezeugt haben soll. Des letzteren SohnBotho besass die Herrschaft Lieberose, und dessen jüngerer Sohn Wendt, derVertheidiger von Marienburg (1454) und Erwerber von Galingen (1468) ist nunder Stammvater des in Preussen fortblühenden Zweiges f-j-f). Ein Attest desHeroldsamtes zu Cöln a. d. Spree vom 4. April 1701) bezeugt demgemäss denalten, aus Sachsen herrührenden freiherrlichen Stand der v. Eilenburg; undsonach konnte der bei Gelegenheit des Grafendiploms vom 9. September 1786ausgesprochene Wunsch, dass bei der Ausfertigung Grafen von Wettin undPierren zu Eulenburg gesetzt werden möge, als gerechtfertigt erscheinen.Ständediese Ableitung von einem alten Dynasten- und Fürstenstamme so über allemZweifel fest, da würde dieses Geschlecht bei gegenwärtiger Uebersicht gänz-lich zu übergehen sein; allein es ist doch noch sehr die Frage, ob die Herrenvon Ileburg, von denen die heutigen Grafen von Eulenburg in der That ab-stammen, mit jenen älteren Grafen von Eilenburg, die entschieden Wettiner

*) Repente villa ilomini Johannis des Havelberg 1256. Riedel 1. Hptth. II. 367.

**) Havelberga capta est a filiis Widikindi et ecclesia destructa. 1136. Annal. Saxoap. Pertz VIII. 770.

***) Stammtafel bei Lisch Meklenb. Jahrb. II. 98. III. 152.

-j-) Dreger cod. dipl. Pomeran. I. 180.

ff) Riede! I. Hptth. III. 89.

tft) Preussisches Archiv 1792, Monat Juni.