Ueber den Zusammenhang
der Edlen von Vlotho in Westphalen
mit denen
von Flotow in Meklenburg.
Meine früher geäusserten Bedenken*), dass das alte Meklenburgsche Ge-schlecht v. Flotow gemeinsamen Stammes sein könne mit dem in den Weser-Gegenden des Mindenscheu Sprengeis vorkommenden dynastischen Geschlechteder Edlen v. Vlotho, schwinden bei fortgesetzter Betrachtung immer mehr. Eswird nicht ohne Interesse sein, die Gründe dieser veränderten Ansicht kennenzu lernen.
I. Das Vorkommen des Namens Vlotho, in älteren Urkunden auch Vlo-towe, Flotowe, Flotuwe, in der Topographie eines rein-germanischen Landes,des mittleren Sachsenlandes oder Engerns, lässt eine rein-deutsche Bedeutungdieser Bezeichnung erwarten, die wir, der Lokalität des Ortes auch vollkom-men entsprechend, in dem verhochdeutsehten Begriff Fluthau wiederfinden.Wenn nun ein solcher Name in einem germanisirten Slavenlande, welches auchanderweitig in einem geschichtlich nachweisbaren Uebertragungs- und Ueber-siedelungs-Verhältnisse der Orts- und Familiennamen zu dem deutschen Lande,worin sich diese Namen wiederholen, steht, und wenn diese Wiederholungdurch den Mangel ähnlicher lokaler Bedingungen, die Annahme einer ursprüng-lichen Bezeichnung ausschliesst, so dürfen wir mit vollem Rechte schliessen,dass hier eine Namens-Uebertragung statt gefunden habe. Ein solches Ueber-siedelungs-Verhältniss findet in der That zwischen dem alten Sachsenlandeund Meklenburg, welches von dort her germanisirt worden ist, in einem gros-sen Masse statt; und so dürfen wir wohl annehmen, dass das nordwestlichvon Penzlin gelegene Gross- und Klein-Flotow nicht slavischen, sondern deut-schen Ursprungs sei, und zwar ein von dem an der Weser liegenden Vlothoentlehnter Name; umsomehr, da es einen dritten Ort vollständig dieses Namensnicht giebt, und da die alles fliessenden Wassers gänzlich entbehrende Lokali-tät des Meklenburgischen Flotow dem Namen hier nicht eine ursprüngliche,sondern bloss abgeleitete Bedeutung giebt**).
*) v. Ledebur Gesch. von Vlotho S. 14.
"*) Ein anderes Heispiel. — Das Dorf Uchtenhagen in der Altmark hat augenschein-lich seinen Namen >r Uchte zu verdanken, an welcher es liegt. Wenn wir nun fernerein Dorf dieses Namens in Hinter-Pommern finden, so müssen wir, da hier ähnliche to-