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und sein noch zarteres Nachbild, aber dunkel von Auge und Haar,und Karl Kunkel, ein tüchtiger Jurist, der sich schon im zweitenSemester an die Preisaufgabe seiner Fakultät machte. Er konnte leidernur den folgenden Sommer noch bleiben und hat sich seinen Weg weiteraus eigener Kraft gebahnt.
Seit dieser Zeit (1876) nahm der Kneipgcsang einen neuen Auf-schwung. Darum haben unsere vortrefflichen Musiker, vor allem OnkelHeinke und Tante Froning, Bansi, Meyer, Julius Smend, KarlBertelsmann großes Verdienst.*) An der alten Sitte, am Kneipabend(wie früher Mittwoch und Samstag) mit einem vaterländischen Liede zubeginnen, hielten wir fest. Dann folgte ein Volkslied oder Studenten-lied. Eine besondere Eigentümlichkeit unserer Kneipe war die Fülle fröh-licher Anstichlicder, über die wir verfügten. Aus dem Schatze des LahrcrKommersbuches haben wir manches im Singkränzchen seit 1876 geprobtund neu gelernt. Es waren das aber die alten goldenen Lieder, besondersVolkslieder; denn vor der cffeminierten Poesie der Lindenwirtin und derFrida Schanz war man damals noch sicher.
Es ist mir noch jetzt eine wohlthucnde Erinnerung, wie germanischeLaicntugend auf der Kneipe ohne jeden sogenannten Komment geübtwurde. Die einzige Verpflichtung war, ehrlich nachzutrinken. Taeitusfreilich würde auch dazu uoch den Kopf schütteln und sagen: e8t in rspravn pervionoin,; ipsi tiäein aMsIIant. Ein Vierjungc wurde wohlgetrunken und trinkbare Unparteiische, wie Diez Varfurth, wußtenden Verlierer auf die Kosten zu bringen. Sonst kannten wir kein Übers-kreuztrinkcn, keinen L. V., keinen Doktor oder was derlei Alfanzereienmehr sind. Leider haben wir die widerwärtigste von allen Grimassen, den „Spinn-komment", uns nicht ganz von: Leibe gehalten; jedoch nicht, als ob er unsals eine heilbringende Erfindung erschienen wäre, sondern offenbarin übler Nachgiebigkeit gegen zahlreiche Kneipgäste, die dieses Brauchesfroh waren.**) In der That war und ist es besonders für jüngere Semesternicht immer leicht, solchen gegenüber in allem die Selbständigkeit zu be-haupten. Aber indem wir vom einzelnen verlangen, daß er durch seinenTakt sie sicherstelle, nehmen wir ihn in eine unverächtliche Schule desLebens. ES schadet nicht, wenn dabei mit einem gewissen eifersüchtigen
') Sie machten bei dem Fastnachtsspiel 1877/73 ein kleines Orchester und spielteneine sehr hübsche Quodlibetenvcrtüre.
") Als das, was er ist, eine Brutalität, bezeichnete ihn mal ein Wort, treffendaber derb (natürlich, den» eS kam von einem Westfalen): „Der Gerechte erbarmet sichauch seines ViehcS, aber beim Spinnen ist alles unter dem Vieh."