Druckschrift 
Geschichte der Burschenschaft Alemannia zu Bonn : Festgabe z. Feier des 50-jährigen Stiftungsfestes der Burschenschaft Alemannia
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

Verkehr und Hagemann im Mauspfad ward für den Früh-*) und Abend-schoppen allein besucht. Das Haus hatte nicht den gemütlichen Charaktereiner rheinischen Wirtschaft, wie die Wittib. Es sollte etwas Feineres,Modernes sein. Den Wirt hatte Gott eigentlich auch im Zorne dazugemacht, wenigstens paßte er nicht recht zu Studenten; jeder Mustcrreiterwurde von ihm an- und abkomplimcntiert. Aber er hat es doch zu einemsorgenlosen Leben als Privat in Godesbergsich bringen lassen." Wasseine Küche und sein Keller leistete, war gut. Hier war auch eine derwenigen Stellen, wo ausländisches, d. h. Dortmunder Bier verzapft wurde.Bis dahin war wohl das Niedermendiger der Brüdergemeinde das einzigeauswärtige gewesen. Echtes bairisches, Nürnberger oder Münchener, gabes meines Wissens damals in Bonn in offenem Ausschank überhaupt nicht;es ist, meine ich, erst 1877 oder 1878 gekommen und dasHähnchen"am Dreieck fing damit an. Was wir in diesen Jahren auf der Kneipetranken, war ein Helles leichtes Bierchcn, eigenes Bonner Wachstum. Weinwurde in Bonn selbst eigentlich wenig getrunken. Der Zehrgarten

ßplüaclu; wurde 1874/75 gerade umgebaut und erst später und zwarfeiner wieder eröffnet, so daß man hier sogar die Mütze absetzte. Einigebesuchten wohl den Dreikönigspitter in Poppelsdorf am Nachmittage oderdie Wacht am Rhein und trankenvon dem" undvon dem andern."Beliebt war später die einfache aber gute Weinwirtschaft derDreiGrazien" in Königswinter, auch Mundorf in Plittersdorf kam auf. Vombesseren und besten aber bekam man doch im Adler. Die Kegelbahnbei Breuer in der Wenzelgasse wurde in diesem Sommer (1874) nocheifrig benutzt. Dann ließ das Vergnügen nach und wurde erst auf derSchanze wieder aufgenommen.

In allen Fakultäten wurde aber auch fleißig gearbeitet, denn es warenüberall ältere Semester da, die mit gutem Beispiel vorangingen und denJüngeren sachgemäß berieten, weil sie wußten, worauf es ankam. So hatmir Wichmann auf dem ersten Kneipabend meinen ganzen Studicnplan,den ich nach Ratschlägen unsers allverehrten alten GymnasialprofessorsJüngst mir zurecht gemacht hatte, über den Haufen geworfen und zweck-mäßig umgestaltet.

Das Sommersemestcr 1874 verlief ungetrübt und in Aussicht einesglänzenden Abschlusses durch das 30jährige Stiftungsfest. Da sollte esein außerordentliches Ereignis noch unterbrechen. Es war an eineinSonntage; ein großer Teil der Leute hatte eine Ausfahrt nach Rolandseck

Wie früher nur am Sonntag offiziell.