— 126 —
Zeiten freundlichen Herrn nicht, gelegentlich seines Enkels Bundesbrüderanzusprechen. Besonderer Zuneigung erfreute sich Spickes. Wenn derim Winter durch die PoppclSdorfer der Anatomie zuwanderte, dann hieltihn der alte I. P. an und lohnte ihm am Ende die Unterhaltung mitrotwangigen Äpfeln. Und die gelehrte Tante erschien eines schönen Tagesbei Lö Ilgen und ließ in dessen Vadcmecum eine mit ihrem Hausnamengeschmückte Seite durchstreichen, nicht ohne vorher einen Blick kopfschüttelndin die Kneipe zu werfen und zu sagen, auch ihr Neffe hänge sich wohleins der großen Trinkhörncr kncipabendlich um den Hals.
Doch zurück! Es war also in unserm Lustruin in Bonn die Meinungfür farbentragende Verbindungen aller Art überhaupt gering. Das warebenso auf manchen anderen Hochschulen, aber nicht überall; in Jena z. B.nicht, wie ich selbst weiß; auch in Erlangen nicht. Es werden daher wohlnoch besondere örtliche Gründe vorliegen und man wird die Verhältnisseder Stadt und der Universität bei der Betrachtung des studentischenLebens in dieser Zeit wohl beachten.
Ich meine, daß auch die Stadt den Charakter des Überganges schonvom Ende der 60 er Jahre an zeigt. Wohl ist Bonn nie eine so stilleKirchturmsuniversität — eine Jean Paul'sche Idylle — gewesen, wieetwa Jena oder Erlangen oder Tübingen u. a. es lange waren; aberunsere Zeit ließ doch ihr Leben als das einer Studentenstadt vor demder kosmo- und pensionopolitanischen Reise- und Fremdenstadt etwaszurücktreten.
Rege Bauthätigkcit veränderte zunächst die Umgebung. Schon Endeder 60 er Jahre hatte der Platz zwischen Universität und PoppelsdorferAllee begonnen sein Aussehen zu wandeln. Bis dahin lagen zu beidenSeiten dieses Platzes tiefe Gräben, die von der alten Befestigung her-rührten; an der Seite des Bahnhofs, wo jetzt das Restaurant „ZurKaiscrhalle" steht, „et Muhrsch Jrävchc" genannt; an der anderen SeiteGärten, deren einer den Erben des zerstreuten Professors Harles; gehörteund sich auszeichnete durch ein Gartenhüuschen mit einer unförmlichgroßen Wetterfahne, berühmt als „Harles;' Kaffeemühle". An ihrer Stellewurde Ende der 60 er Jahre die neue evangelische Kirche gebaut. Abernoch 1874 stand zwischen Bahnhof und Universität kcins der großenHäuser, die jetzt den prächtigen Kaiscrplatz einrahmen. An der Koblenzerund Poppelsdorfs entstanden nach und nach die schönsten der Villen. DieStraßen hinter der evangelischen Kirche wurden schon ausgebaut bis zurWeder- und Arndtstraße, weniger die nach der Meckcnheimer und KölnerSeite.