XXV SECKAU (Seggow, Secoviensis) in Steiermark. Wie Erzbischof Eberhart von Salzburg in seinem grossen Sprengel schon1215/16 das Bistum Chiemsee gegründet, so errichtete er mit päpstlicher und landesherrlicher Zustimmung 1218 ein Bistum inSeckau und übertrug es dem Propst Karl von Friesach (j" 1230); es gehörte somit in den Salzburger Metropolitanverband, wurdeaus den Rechten des Erzbischofs ausgestattet und war durchaus von ihm abhängig. Später wurde der Sprengel wiederholt verändert.5 Das Banner und Wappen weist in rot einen weissbekleideten rechten Vorderarm, am Zeigefinger einen Ring. Das Wb desFormschneiders Zacharias Bartsch 1567 gibt in rot eine zum Schwur erhobene Hand, den Oberarm mit weissem goldbordiertemÄrmel, das Schrot'scheWb 1576 den Schild gespalten von weiss und blau, die Bekleidung des Arms in gewechselten Farben.<J; Quellen: Jahrb. d. dtsch. Gesch.: Friedrich II. 157, 390 f; Keller Abtei Seckau 1902; Seyler 288 und im Siebm. I 6 1. Reihe108 ff, 168; Kretschmer 425. [584
XXVI GURK (Gurge, Gurcensis). Papst Alexander II. gestattete am 21. III. 1070 dem Erzbischof Gebehart von Salzburg, innerhalbseines Sprengeis ein neues Bistum zu errichten. Zwei Jahre später gab auch Heinrich IV. seine Einwilligung, indem er Gurk inKärnten als Sitz bezeichnete, wo die Marienkirche zur Kathedrale erhoben werden sollte. Der erste Bischof war Gunther, geweiht6. V. 1072. Wie die Bischöfe von Seckau und Chiemsee sollten auch die von Gurk sogar in weltlichen Beziehungen völlig vomMetropoliten abhängig sein und nicht Fürstenrang haben. Allein die Bischöfe von Gurk benützten jede günstige Gelegenheit, um
15 sich der Abhängigkeit zu entziehen, lange ohne wesentlichen Erfolg; erst seit dem 15. Jhdt. führen sie den Titel Fürstbischof.(J; Das Banner weist in weiss auf rotem Boden einen dreizinnigen blauen Turm. Später erscheint ein ganz anderes Wappen undzwar zuerst im Siegel des Bischofs Johannes (aus der Familie Ribi bzw. Schultheiss von Lenzburg), der als Kanzler Herzog Leu-polds von Österreich bei den Fälschungen der östr. Privilegien beteiligt war; eine auf den Namen Kg. Albrechts I. und das Datum11.1. 1305 gefälschte Urkunde, die den damaligen Bischof Heinrich princeps noster heisst, sollte das neue Wappen verliehen haben,20 nämlich den Schild gespalten, vorn einen gelben aufgerichteten Löwen in schwarz, hinten von rot und weiss geteilt, d. h. eineNachbildung des erzbischöflichen Wappens von Salzburg. Schrot gibt 1576 den gelben Löwen in blau, aber auch dies ist irrig wiedie Angabe der Fälschung: der Löwe wurde schwarz in gelb geführt, später mit gelber Krone. < Quellen: Jahrb. d. dtsch.Gesch.: Heinrich IV. II 118 ff, Friedrich II. I 391, 495 f, II 62; Die Gurker Geschichtsquellen 864-1269 hgg. v. Jaksch 2 Bde.1896/98; Seyler 317, 812, in VJS Herold I 23 ff und im Siebm. I 6 1. Reihe 120 ff, auch betr. Fälschung d. Urk. v. 1305, die schon25 Böhmer Ergheft I (1246 bis 1313) 415 no. 687 undF.-K.Fürst zu Hohenlohe imAnzeiger f. Kunde d. dtsch. Vorzeit 1865 S. 343 ffbeanstandeten ; J. Hirn Kirchen- u. reichsrechtl. Verhältnisse des salzb. Suffraganbistums Gurk 1872; Anthony v. S. 292; Kretschmer425. Das Siegel des Bischofs Johannes von 1363 in Merz Lenzb. Taf. XI = Merz SW 62. [585
XXVII BRIXEN (Brihsen, Brixinensis) in Tirol. Der ursprüngliche Bischofsitz war Seben an der südlichen Grenze des Sprengeis;hier sind seit Alim 769 eine Reihe Bischöfe bezeugt bis auf Richpert, der 967 in einem Diplom Ottos II. „von Brixen" genannt
30 wird; sein Nachfolger Albuin heisst 977 „von Seben und Brixen". Durch diese war also die Verlegung des Sitzes nachdem nördlichergelegenen Brixen erfolgt, wenn auch die kaiserliche Kanzlei gelegentlich noch die alte Bezeichnung brauchte. Das Bistum gehörtezum Erzbistum Salzburg. Später führten die Bischöfe den Titel Fürstbischof. Das Banner weist in weiss einen roten Adlermit schwarzen Fängen überzwerch (Grund für diese Stellung HerArch XXXVII 12), den Schwanz belegt mit blauem Krummstab.Dies — der Krummstab gelb — ist das Wappen des Domkapitels, der Adler dem Wappen der Grafen von Tirol (CvMure 27)35 entnommen. Das Bistumswappen ist in rot ein widersehendes weisses Lamm mit gelbem Nimbus und der Auferstehungsfahne(rotes Kreuz in weiss), so auf dem Siegel der Bischöfe Landulf 1297 (WbTirol 66 s. u.) und Johannes (vorher in Gurk, s. dort)1370 (Merz Lenzb. Taf. XI = Merz SW 62). Das zugehörige Kl. — die wyzzen ynfel mit zwain zopfen unt ietweder horn oderspitz gezieret mit einem boschen von pfawens vedern, als wir si in dez riches dienst und in unsers gotshuses urlougen ... an alleanspräche haben gevuret sehs und drizek iaroder me — verlieh Bischof Bruno 1286 II. 2. seinem Neffen Gr. Konrad von Kirchberg40 (40). Das Wappen auch bei Richental 130 (HerArch XXXVII 12) und Haggenberg 9. Die Fürstbischöfe vereinigten Bischofs-und Kapitelswappen. Das Bischofswappen wurde von der Stadt B. übernommen (Wb d. Städte und Märkte d. gefürst. Grafsch.Tirol hgg. v. K. Rickelt und C. Fischnaler 13 und 65 ff; J. Walchegger Brixen, Geschichtsbild und Sehenswürdigkeiten 1901, hierS. 18 u. 21 Bischofs-und Kapitelssiegel ohne Wappen, S. 31 Stadtsiegel). Quellen: Jahrb. d. dtsch. Gesch.: Heinrich II. I 59 ff;F. A. Sinnacher Beitr. z. Gesch. d. bischöfl. Kirche Säben u. Brixen in Tirol 9 Bde. 1821/35; Tinkhauser Top.-hist.-stat. Be-45 Schreibung d. Diözese B. 2 Bde. 1851/56; L. Santifaller Das Brixner Domkapitel in s. persönl. Zusammensetzung im MA 1925;Seyler 288, 811 f und im Siebm. I 5 1. Reihe 43 ff, 168; P. Bretschneider VJSHerold XLV 65; Kretschmer 312, 427. [586
XXVIII PFALZGRAF AM RHEIN (Pfallenz vom Rin). Am i.V. 1214 starb der junge Heinrich, ein Neffe K.Ottos IV., seit 1213Pfalzgraf am Rhein, ohne Leibeserben. Von den andern Vertretern des Weifenstammes hatte nur der 1213 verstorbene BruderOttos, Wilhelm, einen 1204 geborenen Sohn Otto das Kind. So konnte Friedrich II. über die Rheinpfalzgrafschaft verfügen und
50 belehnte damit des Herzogs Ludwig von Baiern jungen Sohn Otto, für den sein Vater handelte, bis er volljährig war. Damit kamdie Rheinpfalz an die Wittelsbacher und blieb bei diesem Hause. Die Kurwürde ging am 25. II. 1623 an Altbayern (Maximilian I.)über. Das Banner und Wappen weist in schwarz einen aufgerichteten rotbewehrten gelben Löwen mit roter Krone. So auchCvMure 40. Der Löwe war das alte Wappen der Wittelsbacher (29) und hatte ursprünglich keine engere Beziehung zur Rheinpfalz.
Quellen: Seyler 245, 316; Ströhl DWR 28; Wilckens Über die Fahnen von Kurpfalz in Das Bayerland 1910 Heft 16 u. 17,
Tafel I, XXV-XXVIII