der Bischofsstab (Pedum) rot in weiss geführt; seine einzelnen Teile - Krümmung, Stab und metallene Spitze-sind auf der Dar-stellung derWR deutlich zu unterscheiden; in dieser Form erscheint er auch auf den Siegeln der Bischöfe. Später läuft er imWappen unten in 3 Spitzen aus, indem die metallene Spitze und die beiden Ecken des Stabes am Fussende so stilisiert wurden (vgl.Haggenberg 10, Richental 129 b). In dieser Form ging er — schwarz — ins Wappen der Bischofsstadt Basel und viele Wappen von5 Städten und Dörfern der Diözese Basel über; der Stadt Basel ward durch Kardinal Matthäus Schiner sogar die Freiheit erteilt,den bisher schwarzen Baselstab künftig golden zu führen (1512 VII. 24.), ohne dass sie davon mehr als zweimal Gebrauchmachte (HerArch XXXVII 88). Das Bistum gehörte zum Erzbistum Besan9on. Die französische Revolution machte ihm 1792 einEnde. Den roten Bischofsstab führt jetzt der Halbkanton Baselland. Cj Quellen: MGH Chron. min. ed. Mommsen 597 ; JbAdlerIII 107 f, VIII 2, 10 ; AnzA VII 58 f; HerArchX 29, XXXIX 66 Abb. 74; UB Basel IX 351; R. Wackernagel Gesch. d. St. Basel10 11124,4*; Barth Bibl. II 673 f; Siebm. I 6 1. Reihe 50 ff; P. Bretschneider VJSHerold XLV 66, 71; Kretschmer 568, 589. [568
X MURBACH (Mürbach) im Elsass wurde von dem Grafen Ebrochardus, Sohn des Herzogs Adelbert und Bruder des HerzogsLuitfrid, auf seinem Grund und Boden 727 unter Mitwirkung Pirmins als Benediktinerkloster gegründet und reich ausgestattet; seinBesitz reichte später sogar durch den Frickgau und Aargau bis Luzern und an den Fuss des Brünigs, Luzern war sein Eigenkloster.Es ward 1764 in ein weltlich adeliches Ritterstift mit Sitz in Gebweiler umgewandelt, dem die französische Revolution ein Ende15 machte. Es führte in Banner und Wappen in weiss schrägrechts einen schwarzen schreitenden Hund rotbewehrt (Haggenberg30, auch mit rotem Halsband, so auf dem Deckel des Lehensbuches a. d. Anf. d. 15. Jhdts. und Grünenberg n b ), der auch in dieWappen murbachischer Ministerialen überging. <( Quellen: A. Gatrio Die Abtei Murbach i. E. 2 Bde. 1895 (hier I 416/7 eineWappentafel); Reichsl. Els.-Lothr. III 741 ff; HerArch XXXI90; Siebm. I 6 1. Reihe 161, 167, 2. Reihe 4 f; das Wappen derMinisterialen v. M. im KochschenWb zu Basel (HerArch XL 93) und DEWb 101, vgl. Seyler 133; Kretschmer 269, 415, 463. [569
XI REICHENAU (Owe, Augia maior, dives) wurde i. J. 724 von Pirminius, Missionsbischof Karl Martells, aus dem früher west-gotischen Südfrankreich stammend, als Benediktinerkloster auf einer Insel im Untersee gegründet, kam nach dem 3. Abt ein hal-bes Jahrhundert durch Personalunion von Bischof und Abt unter die Konstanzer Bischöfe, ward aber nachher wieder frei. Ur-sprünglich war es nur für den hochfreien Adel bestimmt, verarmte dann infolge Misswirtschaft. Durch Papst Martin V. ward anstelledes abgesetzten Abtes Friedrich von Zollern 1427 Heinrich von Hornberg zum Abt providiert, starb indes im selben Jahre. Damit
25 war die freiherrliche Periode des Klosters abgeschlossen, eine neue Zeit brach an. Wohl wurde mit Friedrich von Wartenbergwieder ein Freiherr zum Abt bestellt, allein in den Konvent kam nun auch nicht edelfreies Blut, Glieder des niedern Adels, und 1509die ersten bürgerlichen Mönche. Papst Paul III. inkorporierte es dann am 14. III. 1535 dem Bistum Konstanz, Karl V. erklärte aufdem Reichstag zu Regensburg 1541 sein Einverständnis, und 1542 erfolgte die Belehnung des Bischofs mit den Regalien derFürstabtei. Damit war der Untergang der alten Abtei Tatsache geworden. Am 28. VIII. 1653 musste der Bischof den Mönchen in30 der sog. Concordia Zugeständnisse machen. Im folgenden Jahrhundert kamen Bestrebungen auf Wiederherstellung der Abtei undendeten damit, dass 1757 die Mönche ausgewiesen wurden, worauf das Hochstift Konstanz die „Kolonie der Mission" einrichtete,die 1797 aufgehoben wurde. Die Abtei ging dann mit dem Bistum Konstanz durch den Reichsdeputationshauptschluss vom25. II. 1803 an den Markgrafen von Baden über. Banner und Wappen weisen ein rotes Kreuz in weiss (z. B. Richental i55 b ).<1 Quellen: Die Kultur der Abtei Reichenau, Erinnerungsschrift z. zwölf hundertsten Wiederkehr des Gründungsjahres des In-35 selklosters 724—1924, hgg. v. K. Beyerle, 1925/26 (hier S. 139, 159, 457, 477, 489, 563 die Abtsiegel, S. 577 u. 599 die Siegel vonAmmännern, S. 583 das Klosterwappen); F. Beyerle Zs. der Savigny-Stiftung f. Rechtsgesch. XLVI (kan. Abt.) 512 ff; Quellenu. Forschungen z. Gesch. d. Abtei Reichenau: I K. Brandi, Die Reichenauer Urkundenfälschungen 1890, II Die Chronik desGallus öhem bearb. v. K. Brandi 1893 ; A. Schulte Über freih. Klöster in Baden 1896; Krieger II 540 ff; Barth Bibl. II 639; Cod.Bald. Taf. 16 (Text S. 59); Siebm. I 6 1. Reihe 112 f; Kretschmer 416. [570
XII WIEN (Wi. .). „In der Rolle ist der Name nicht ausgeschrieben, und es wird daher die Bestimmung nie mit Sicherheit ge-lingen, da kein deutsches Stift später mit diesem Wappen auftritt. Ein ähnliches Wappen, jedoch mit anderen Farben, gibt dasSchrot'sche Wappenbuch (1576) unter den englischen Bistümern mit der Überschrift ,Vltriflagense : ein weiß Creutz in blawenSchildt mit einem gelben Bischoffsstab', — der letztere liegt hier auf dem linken Arm. Aber auch dieses Wappen konnte ich bisjetzt nicht bestimmen. In England ist ein Bistum mit solchem Wappen nicht vorhanden" (G. A. Seyler im neuen Siebmacher I 6 1.
45 Reihe 167). Ein Bistum dieses Namens gibt es nach C. Eubel Hierarchia catholica medii aevi 2 1913 überhaupt nicht, und einenglisches Bistum kann für die ZWR nicht in Frage kommen. Ultrajactensis d. h. Utrecht in Holland fällt ausser Betracht, weilW in der ZWR nie als Vokal gebraucht wird und der Name höchstens 5 Buchstaben umfasste (der leere Raum unter dem Namenwar nie beschrieben), Utrecht übrigens ein weisses Kreuz in rot führte. Im Deutschen Herold XLVII (1916) 72 ist auf das StiftWeingarten geraten worden, aber einerseits ist ein solches Wappen dieses Stifts sonst nicht bekannt, wohl aber ein ganz anderes50 (Stumpf II 52V bzw. 334, 392 v )> andererseits gibt die ZWR den Krummstab nur Bistümern. Wien fällt als solches ausser Betracht,da das Bistum erst 1468 errichtet wurde (Siebm. I 5 1. Reihe 5, 41). Die ZWR bringt aber auch ein ausserdeutsches Bistum, Ol-mütz in Mähren; es dürfte daher an Wilna in Litauen gedacht werden, das zur Zeit der Entstehung der WR bestund (Eubela. O. 5 29); das Wappen konnte aber nicht erfragt werden, bzw. die Nachforschungen waren vergeblich, indem die Antwort kam,ein Bistumswappen sei ganz unbekannt. Sollte daher, was immer noch am wahrscheinlichsten ist, der Name „Wien" gelautet
Tafel I, IX—XII
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