auf Joseph Allein. 575
Ich könnte leicht noch andere Krempe? anfüh-ren, euch in der Wahrheit zu befestigen, daß wirsehr geneigt sind in der Ursache, Grund und Gegen-stände unserer Traurigkeit zu irren. Ich will aberlieber auf ein paar Ursachen führen, aus welchendieseJrrung entstehet. Dieeine ist in unserm Ver-stände, die andere aber in unfern Gemüthsb.wc«gungen anzutreffen.
1. Zuweilen gerathen wir deswegen auf einensolchenZrrweg, weil es unserm Verstände an ge-nungsamen Lichte und Unterweisung fehlet. Wirurlheilen nicht richtig von dem, was eigentlich aisdie großce oder einzige Ursache der Traurigkeit ist.Einige stehen in der Meynung, daß ihre Leiden undTrübsalen der Thränen würdiger wären, als ihreSünden. Sie sehen an der Sünde nicht das vcr-dammliche und gefährliche; desto mehr aber füh-len sie das schmerzhaste an ihren Trübsalen. D-elekommen ihnen als etwas beklagenswürdiges vov:die Sünde aber erscheinet ihnen nicht in solcher Ge-stalt. Es lieget ein gewisser Grund in unserer Na-tur, der dem Menschen einen Abscheu an dem Straf-übel erwecket; aber zu derVerab,cheuung des Sü-i-denubels ist nichts in ihm selbst anzutreffen. So,daßder Memch weiter nichts als seine Natur brauet,dieLeiden und Plagen zu fühlen, die aus der Sündeentstehen; aber es gehöret weit mehr als die bloßeNacur dazu, wenn er auch das Uebel der Sündenfühlen soll. Und eben daher rühret es auch, daß solcheMenschen, bey welchen lomr nichts als die Ncnurwirtsam ist, sich unter dem Gefühl der Plagen ganzunleidlich und untröstlich anstellen,Dahingegen sie von
der