Zweyte Abtheilung. Cap. 5. 4^5
!st. O gedenket darauf, und haltet den Tag fürverlohren,den ihr nichtGott zu Ehren gelebet habt?Was für einen großen Theil unsers Lebens habenwir nicht leyder! meine Brüder, wirklich verloh-nn. Ich bitte euch, hütet euch doch. Ihr seydwegen vieler Sachen voller Sorgen, alleine nehmeteuch in Acht, daß andre Dinge dasjenige bey euchnicht unterdrücken, was eure Hauptforg? seyn soll,te, nämlich eure Lebenszeit und Kräfte demjenigenaufzuopfern, der euch geschaffen hat. Würde eseinem Menschen nicht erschrecklich fallen, wenn erzuletzt, da er Gott Rechenschaft geben soll, findenwürde, daß er sein ganzes Leben, oder doch wenig,stens den größesten Theil desselbigen mit verdamm-licher Eigennützigkeit zugebracht habe; daß derHerr unser Gott einem Menschen so viele Jahrezugestanden, !an dem man doch zuletzt wahrnähme,daß er nur ein falscher und gottloser Knecht gewe-sen, der mit seines Herrn Capital nur seinen eige-nen Nutzen zu befördern gesucht, ihm seine Güterveräußert, und sie in seinen eigenen Nutzen ver-wandt hat. Damit ihr nun diese große Sache,wie ihr Gott zu Ehren leben könnet, wol lernenmöget, so nehmet folgende Regeln in Acht.
Erstlich: Präget dieses euren, Gemüthefes t ein, daß das euer Hauptgeschäfte sey, unddaß darin eure Glückseligkeit bestehe, wennihr Gott zu Mren lebet. Euer Hauptgeschäf-te ist es : denn ihr seyd dazu geschaffen, daß ihrihm Freude und Ehre machen sollet. Was habtihr anders zu thun, als eurem Schöpfer in euremallgemeinen und besondern Beruf zu dienen?
wel--