482 Alleins Grundlegung,
so lange verlange ich, ja ich lege es euch als einenothwendige Pflicht auf, daß ihr euch täglich nachdiesen Regeln prüfet. IDache auf, o Genüssender Menschen, und bestrafe diejenigen Seelen, diedu in diesem Werk fahrläßig findest; laß sie nie,mals ruhig seyn, bis du ihnen seugniß geben kannst,daß sie ihrer selbst täglich, nnd aus das genau-este wahrnehmen und ja in der beständigen Aus-übung dieser Pflicht ihr Leben zubringen. Wiesiehet es mit euch : kann euch weder Gottes Befehlnoch euer gethanes Versprechen, noch auch der Vor-theil, den ihr davon zu gewarten habt, zu Vollbrin-gung dieses Geschäfts antreiben?
Jedoch, ich zweifele nicht, es werden doch we-nigstens einige unter euch gefunden werden, die die-ser Obliegenheit ein tägliches Genügen leisten. DerHerr stärke euch darin ! Aber saget mir doch, er-laubet mir, daß ich euch frage; QDas habt ihrdenn nun für Nutzen von dieser Beschäftigunggehabt ? Seyd ihr auch dadurch in allen Stückengewissenhafter geworden? Seyd ihr sorgfälti-ger in Beobachtung eures Thuns und Lassens ge-worden als vorher ? Ist bey euch nunmehro dieTugend der Demuth, in größestem Grad anzutref-fen ? und habt ihr eure vielen und großen Mangelnunmehro besser erkennen lernen? Ist es gesche-hen ; so ruhe der Segen des Herrn auf euch! Istes aber nicht geschehen, so habt ihr gewiß diesePflicht sehr schlecht erfüllet! Was könnet ihr hier-auf antworten ? Wird eure Achtsamkeit auf eureWege durch beständige Beobachtung dieser Pflichtvermindert, oder vermehret ? Verringert sie sich;