z?6 MeinS Grundlegung,
kann; und man muß sich wundern, wie er anderedie nicht mit ihm einstimmen, wollen zu tadeln, undsie zu beschuldigen weiß, als wären sie Leu,te, die weit ausgedehnte Grundsätze und ein wei-tes Gewissen hätten, unterdessen aber verabsäumeter gar sehr diejenigen Pflichten, die insgeheim ge-schehen sollen. Er weiß nichts von der Selbst-verläugnung, und wie er demüthig vor Gott wan-deln müsse. Ex säuget Mücken, und machetsich,welches zu verwundern ist, ein Gewissen über einerCeremonie, da er doch den L.ohn der Ungerech-tigkeit, und die Lockspeisen der Unmäßigkeic ge-nug in sich zu schlucken weiß. Es kann seyn, daßer den Aberglauben genug herunter macht, und daßihm niemals ein Stein mangelt, solchen auf denieni«gen der sich nur äußerlich zur Kirchen hält, zu werfen;unterdessen lebet er in seinem Hause recht lüderlich,und macbt sich kein Gewissen, wie er wandelt undseinen Gang richtet; ia er pfleget die Gläser undBecher eben so frey als andere auszukaufen, wennman es ihm nur nicht ansehen kann, daß er trun-ken ist. Wenn er von seines Nachbars Vermö-gen nicht eines Hellers werth verlanget, so erwei-set er sich dagegen recht unbarmherzig in Ansehungseines guten Namens, und billiget die böse Rede,so i'm Schwange gehet :c. Meine Brüder.' ihrmüsset euch allerdings über die kleineste Sünde undüber die leichteste Wicht ein Gewissen machen; ie-doch ist es kein gutes Zeichen, wenn sich manchesür geringen Sünden fleißig in acht nehmen, denengroßen aberdurch die Finger sehen, wie iene thaten,deren beymMatth.20,24. gedacht wird.
5. 225.