59<v Alleins Grundlegung/
Christo zu zuführen? Ja, es wird diese nöthigeChristenpflicht dergestalt verabsäumet, und ist sosehr abgekommen, daß ich befürchte, es sollte wohlmancher fragen, ob dieses auch eine Pflicht sey, dieChristen zustehe, nicht anders, als möchtet ihrwohlgar die Sünde auf der Seele eures Bruders ru-hen lassen,' und dennoch für unschuldig geachtetwerden. Du sollt deinen Nächsten strafen, aufdaß du nicht seinethawen Schuld tragen müs-sest, z B. Mos. 19,17. Wenn des NächstenOchseoder Esel daläge, der anietzo umkommen soll-te, wolltet ihr wohl fragen, ob ihr ihm aus derGrube zu helfen verbunden wäret? undmeynetihrdenn, daß ihr einem solchen tummen Vieh mehrschuldig seyd, als der ^cele eines Nachbarn? Ge-het dieses nur allein die Priester und nicht alleGläubige an, was wir Sprichw. Sal. ? 1, zc>. le-sen : Die Frucht des Gerechten ist ein Bauindes Gebens, und ein XVeiftr nimmt sich derLeute herzlich an. In Wahrheit das Lebenvieler Christen redet ebenfals die Sprache, welcheehemals Cain redete, da es hieße: Soll ich mei-nes Druders Hüter seyn? l B. Mos 4,9. Esist wahr Gott will haben, daß ein ieder unter euchin den Schranken seines Begrifs verbleiben soll;iedoch so, daß ihr zugleich die Gelegenheit ergrei-fen, ia suchen sollt, andern nach eurem VermögenGutes zu thun. Wisset ihr nicht, wie ihr eurenarmen Nachbarn gewinnen könnt? Traget einAllmosen bey euch, erzeiget euch freundlich gegendemselbigen, machet ihn euch verbindlich durch eu-re Leutsligkeit und reizendes Verhalten. Aisdenn