Z82 Meins Grundlegung,
mehr thun wollen, als Gott iemals verlanget hat;wenn, sie recht eiferig sind, in Dingen, die Gottnicht befohlen, so ist dieses umsonst und vergeblich.Matth. l 5, 9. Meine Geliebten, so manche Zeitihr euch selbst gelebet, habt ihr vergeblich gelebet,denn dieses ist gerade dem Endzweck zu wider ge-wesen, zu welchem ihr erschaffen worden. DieseBetrachtung dringet einem zarten Christen garsehr zu Herzen, wenn er bedenket, daß, da sein Le-ben so kurz, und dieZeit überall nichr zureichen will,dennoch so viel davon verlohren gehet. Ach, meinMensch, so viele Stunde», so viele Jahre, als dudir selbst gelebet hast, so viele Stunden und Jah-re mußt du von deinem Leben abziehen. DieseStunden und Jahre sind alle verlohren, was denEndzweck deines Lebens und deine Tage anbelan-get,und so du auch schon nach gethaner Buße dessent-wegen Vergebung erlangest, so wirst du doch da-von keine Belohnung zu gewarten haben. Mei-ne Geliebre, glaubet nur, daß ihr nickt langer ge->lebet, als ihr Gott gelebet habt. Christus isbmein Leben, so läßt sich desfalls Paulus verneh-men, Phil. 1,21. Ich halte dafür daß ich nichtlebe, wenn ich ihm nicht leben sollte; „das ist die»einzige Verrichtung meines Lebens, daß ich ihm„dienen möge. Ich würde niemand sagen kön-„nen, daß mein Leben nütze wäre, es sey denn, daß„es zu seinem Dienst angewendet wird.
§. 217.
Mein Christ, also mußt du deine Rechnungeinrichten. So lange ich Christo gelebet habe, solange habe ich gelebet; und so manche Zeit ich mir
selbst-