Erste Abtheilung. Cap.5. izi
zu Grunde, und fähret zur Hollen, ehe sie diesenBetrug inne wirdDer Mensch thut gute Wer-ke, in der Einbildung, daß alles um ihn gar wohlstehe, vermerket aberzieht, wie diese aus Trieb desFleisches nur geschehen. Es ist mehr als zu wahr,daß auch bisweilen bey deinem wahrhaftig Gehei-ligten. fleischliche Absichten sich mit einzuschleichenpflegen; allein, er verabscheuetdieselben, und nimmtdaher Gelegenheit, sich zu demüthigen; er verstat-tet ihtien keinesweges die nöthige Macht, und über-lasset ihnen nicht die Oberherrschaft. Wenn aberein Mensch die fleischlichen Absichten sein vornehm-ste-« Weck seyn lässet, also, daß er nur deswegen diePflichten eines Christen ausübet, als wenn er zumExempel sein Gewissen nur damit befriedigen, denRuhm eines gottseligen Lebens dadurch erlangen,von den Leuten gesehen werden, und seine Gaben,und was er Gutes an sich zu haben vermeynet, nurzeigen will, damit er den Vorwurf nicht haben mö-ge, daß er ein ruchloser und lüderlicher Mcnsch seyund dergleichen, so kann dieses nichts andere, alsein unbekehrtes Herz zu erkennen geben. O ihrChristen, wenn ihr diesen Selbstbetrug inne werdenwollt, so habt ja wohl Achtung, nicht nur auf euerThun, sondern darneben auf alle eure Absichten,worauf dieselben gerichtet sind.
§. 71.
5. Das Vertrauen auf seine eigene Ge-rechtigkeit. Dieses stürzt die Seele ohnfehlbaeins Verderben. Wenn sich die Menschen auf ihr?eigene Gerechtigkeit verlassen, so verwerfen sie in derThat die Gerechtigkeit Christi.
I» Meine