88 Alleins Grundlegung,
Creaturen im Himmel und aufErden zum Dienstdes Menschen gemacht, und der Mensch ist gleich.»sam der Redner dieser aller. Die andern Creatu-ren können diesen ihren Schöpfer nicht loben, undgeben nur durch stumme Zeichen dem Menschenzu verstehen, daß er für sie reden soll. Der Menschist gleichsam unter denen göttlichen Geschöpfen der^ohepriest-r, welcher darbringen soll DaNk-Opfer für alle Creaturen. Gott verlanget ei-nen Tribut des Lobes von allen seinen Wer-ken. Diesen bringen sie zum Menschen, und lie-fern ihn gleichsam ein durch dessen Hand; willnun der Mensch falsch und eigennützig handeln, sowird Gott um alle dieses Lob gebracht, und er kannin der That keine Ehre und Dank von seinen Wer-ken haben. O wie erschrecken einen nicht die Ge-danken, wenn man nur hieran gedenket, daß Gotteine Welt, wie diese ist, soll erbauet haben, daß exon derselben so unermeßliche Macht, Weisheit undGüte blicken lasscn, und daß doch dieses alles ver-gebens seyn soll; ia daß endlich der Mensch sollbe«schuldiget werden, daß er die Ehre, welche alle Crea-turen Gott darbringen, ihm geraubet und entwen-det habe. Ach bedenke doch dieses, mein Freund,so lange du unbelebet bleibest, ist alle der Dienst,den dir die Creaturen leisten, umsonst und vergeb-lich. Deine Speise und Trank ernähren dich ver-geblich, die Sonne scheinet dir umsonst, die Ster-ne in ihrem Lause dienen dir mit ihrem kräftigen ob-wohl verborgenem Einflüsse, vergeblich. DeineKleider bedecken dich vergebens, dein Thier trägetdich vergebens. Mit einem Worte: die besinn.
Vigen