Druckschrift 
Aus dem Leben eines Taugenichts : Novelle
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

121

wollen." Der Geistliche antwortete nur mitHin, hm,"während er seinen Jagdbecher vollschenkte und mit bedenklichenMienen daraus nippte. Ich aber hatte mich mit beidenArmen weit über den Tisch vorgelegt, um die Unterredungrecht genau anzuhören. Der geistliche Herr bemerkte eS.Ich kann's Euch wohl sagen," hub er wieder an,die bei-den Gräsinnen haben mich aus Kundschaft ausgeschickt, ob derBräutigam schou vielleicht hier in der Gegend sei. Eine Dameaus Rom hat geschrieben, daß er schon lange vcn dort fortsei." Wie er von der Dame aus Rom anfing, würd'ich wieder roth.Keimen denn Ew. Hochwürden den Bräu-tigam?" fragte ich ganz verwirrt.-Nein," erwiederte deralte Herr,aber er soll ein luftiger Vogel sein."Oja," sagte ich hastig,ein Vogel, der aus jedem Käfig aus-reißt, sobalv er nur kaun, und lustig singt, wenn er wiederin der Freiheit ist."Und sich in der Fremde herum-treibt," fuhr der Herr gelassen fort,in der Nacht passatimgeht und am Tage vor den Hausthüren schläft." Michverdroß das sehr.Ehrwürdiger Herr," rief ich ganz hitzigaus, da hat man Euch falsch berichtet. Der Bräutigam istein moralischer, schlanker, hoffnungsvoller Jüngling, der inItalien in einem alten Schlosse auf großein Fuß gelebt hat,der mit lauter Gräfinnen, berühmten Malern und Kammer-jungfern umgegangen ist, der sein Geld sehr wohl zu Rathezu halten weiß, wenn er nur welches hätte, der"Nun,nun, ich wußte nicht, daß Ihr ihn so gnt kennt," unterbrachmich hier der Geistliche, und lachte dabei so herzlich, daß er