Druckschrift 
Aus dem Leben eines Taugenichts : Novelle
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

Das Fenster war offen, aber es blieb Alles still oben,nur der Nachtwind ging noch durch die Weinraukeu, die sichbis iu das Fenster hineinstreckten. Nun, was soll denndas wieder bedeuten? rief ich voll Erstaunen aus, und liefin das Haus nnd durch die stillen Gänge nach der Stubezu. Aber da gab es mir einen rechten Stich in's Herz.Denn wie ich die Thür aufreiße, ist Alles leer, darin keinFrack, kein Hut, kein Stiefel. Nur die Zither, auf derHerr Guido gestern gespielt hatte, hing an der Wand, aufdem Tische mitten in der Stube lag ein schöner voller Geld-beutel, worauf ein Zettel geklebt war. Ich hielt ihn näherans Fenster, und traute meinen Augen kaum, es stand wahr-haftig mit großen Buchstaben darauf: Für den Herrn Ein-nehmer !

Was war mir aber das Alles nütze, wenn ich meinelieben lustigen Herrn nicht wieder fand? Ich schob den Beutelin meine tiefe Rocktasche, das plumpte wie in einen tiefenBrunnen, daß es mich ordentlich hinten über zog. Dannrannte ich hinaus, machte einen großen Lärm und weckte alleKnechte und Mägde im Hause. Die wußten gar nicht, wasich wollte, und meinten, ich wäre verrückt geworden. Dannaber verwunderten sie sich nicht wenig, als sie oben das leereNest sahen. Niemand wußte etwas von meinen Herren. Nurdie eine Magd wie ich aus ihren Zeichen und Gestiku-lationen zusammenbringen konnte hatte bemerkt, daß derHerr Guido, als er gestern AbendS ans dem Balkon sang,auf einmal laut aufschrie, und dann geschwind zu dem andern