228 Friedrich v. Oesterreich u. Ludwig v. Baiern Gegenkönige.
den Jahrmärkten in der Champagne zu reisen, so oft es ihnengenehm ist und so oft es ihnen von den dortigen Marktvor-stehern gestattet wird. Die zweite Urkunde ist am 13. August1313 zu Troyes an der oberen Seine in der Champagne aus-gestellt. Die Vorsteher der Jahrmärkte der Champagne undBrie haben durch ein Schreiben, das ihnen der «Allemanne«Arnulf überbracht, erfahren, dass viele Achener Bürger dieseMärkte mit ihren Waaren beziehen möchten, wenn demnichts im Wege stände, und erklären nach der ihnen über-tragenen Befugniss, dass es den Achnern gestattet sei, dieseMärkte zu beziehen.
Der von den Geschichtschreibern im Allgemeinen gün-stig beurtheilte König Heinrich VII. war am 6. Januar 1311in Mailand zum Könige und am 29. Juni am Tage Petriund Pauli zu Rom im Lateran durch die von Papst Clemens V.dazu beauftragten Kardinäle zum Kaiser gekrönt worden.Die Päpste residirten vom Jahre 1305—1378 in Avignon.Seit zweiundsechszig Jahren hatte kein deutscher König dieKaiserkrone getragen. Heinrich VII. starb am 24. August1313 zu Buoncampagni und wurde zu Pisa beigesetzt. Leidersollte Deutschland durch zwiespaltige Wahl zweier EnkelRudolfs von Habsburg auf viele Jahre der Schauplatz blu-tiger Bürgerkriege werden.
Friedrich der Schöne von Oesterreich 1314—1330 undLudwig IV. von Oherbaiern 1314—1347.
Zwei Geschwisterkinder bewarben sich um das Reich.An dem festgesetzten Wahltage, am 19. Oktober 1314, wurdeFriedrich von Oesterreich von einer Anzahl Fürsten in Sachsen-hausen, und den folgenden Tag Ludwig von Baiern von einergrössern Anzahl Fürsten in Frankfurt zum Reichsoberhauptgewählt, Ersterer bei Bonn am 25. November im offenenFelde durch den berechtigten Consecrator, den Erzbischofvon Köln, Heinrich von Virneburg, mit den Kleinodien desReiches, von deren Besitz fast das Königthum abhängig ge-halten wurde, gekrönt, der Andere an demselben Tage mitseiner Gemahlin Beatrix von Glogau an dem dazu herkömm-lichen Orte, Achen, in das er mit 4000 schwerbewaffnetenReitern einzog, aber ohne Reichskleinodien von dem Erzbi-