Druckschrift 
1 (1873) Von den Anfängen bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Die Stadt ergibt sich.

169

konnte, ihre Anstrengungen verdoppeln mussten. Endlichersannen die mit den Wasserbauten vertrauten Friesen imHeere Wilhelms ein Mittel, welches eine Entscheidung herbei-führen musste. Sie errichteten vor der Südostseite der Stadt,da wo drei Bäche, .die Gewässer der reichen Thermalquellen,der Brunnen und der von Aussen herbeigeführten Wasser-leitungen *) die Stadt verlassen, um der nahen Wurm sich zuvereinigen, einen vierzig Fuss hohen Damm, der allmählichdie Wassermenge staute und eine Ueberschwemmung derniedern Stadttheile verursachte. Es wird erzählt, dass derMangel an Lebensmitteln die Bewohner nöthigte, sich Ekelerregender Dinge als Nahrung zu bedienen, und dass dasWehklagen und Jammern der Frauen herzzerreissend gewe-sen sei. Dennoch blieb der Muth der Vertheidiger ungebeugt.Erst die falsche Nachricht, Kaiser Friedrich sei gestorben,bestimmte die Besatzung und die Bewohner von der Ver-theidigung abzustehen. Mehrere sollen jedoch heimlich dieStätte ihres Ruhmes, verlassen haben, um anderwärts derSache der Staufer zu dienen. Die Ann. St. Pantaleonis,Boehmer, fontes IV, 487, berichten, dass im Januar 1248der König mit dem Legaten am Niederrhein war, wo derLetztere in (Jtrecht und in Köln gegen Achen das Kreuzpredigte. Die Belagerung begann am 29. April, III. cal. maii.Beim Angriffe auf ein Thor ertrinken 16 Belagerer in denKellern der vor den Mauern zerstörten Häuser. A on denAngreifern fällt ein Ritter de Perwys, von den Vertheidigernein von Gymenich. Mit den Wurfmaschinen, Bliden, richtendie Angreifer wenig aus. Minoriten predigen am Rhein, ander Mosel und in Holland das Kreuz, worauf von Kreuz-fahrern aus Brabant, Flandern, Picardie, Holland und Fries-land der Damm errichtet, die Stadt umwallt und zur Ueb er-gäbe genöthigt wird. Am 16. Oktober boten die Vertheidigerihre Unterwerfung an. Darauf begab der Vogt Wilhelm mitzwölf Mitgliedern des Rathes sich in das Lager des Königs.Die Genannten schworen dem Papste, der Kirche und dem

') Der Ort Lancenborne im Achener Wald, 3 ji Stunden von derStadt, wo das Marktwaeser entspringt, kommt im Necrol. eccl. b.M. X. S. 34 vor.