32 Ludwig lind seine Söhne. Ludwigs Demüthigung.
gegen die Bretagne brach der langverhaltene Groll der Sölmeerster Ehe gegen Judith und deren Günstling aus, und da-mit begann für Ludwig ein Jahrzehnt schwersten Unglücks,das erst mit seinem Tode endete, und ein Drama innererFamilienzerrüttung, wie die Geschichte kaum ein traurigeresverzeichnet hat. Bernhard floh mit Erlaubniss des Kaisers,der sich nach Compiegne begab. Die Kaiserin Judith liessendie Söhne Lothar und Pippin von Laon, wo ihr Gemahl sie zu-rückgelassen hatte, nach Verberie an der Oise kommen, wosie dieselbe nöthigten, den Schleier zu nehmen. Man hattesie unter Androhung des Todes gezwungen, in einer Unter-redung, die man ihr mit Ludwig gestattete, auf diesen ein-zuwirken, dass er die Waffen ablege und Mönch werde, siedann in das Kloster der h. Radegunde nach Poitiers ge-schickt. Auch ihre Brüder verwies man ins Kloster undbestrafte die Verwandten Bernhards mit Verbannung oderBlendung.
Obgleich Ludwig sich sträubte, Mönch zu werden, sowar er in dem Sommer 830 dennoch nur dem Namen nachKaiser. Den Plan der Verschworenen, in Francicn einenReichstag abzuhalten, wusste er zu vereiteln, und fühlte sichin Nimwegen, wo die Deutschen sich um ihn geschaart hatten,auch wieder als Kaiser. Die Führer der Empörung wurdenhier zum Tode verurtheilt, von dem schwachen Kaiser aberzu milderen Strafen, die Laien zur Tonsur, die Geistlichenzur Gewahrsam in Klöstern begnadigt. Lothar, der Sohn,leistete den Eid der Treue, der andere Sohn, Ludwig, wardem Vater zur Seite gestanden. Von Nimwegen begab derKaiser sich nach seiner Pfalz Achen, wohin auch Judith aufden Befehl des Papstes Gregor IV. (827—844) — der sieohne Zweifel von dem erzwungenen Klostergelübde befreithatte — mit ihren Brüdern kam. Im folgenden Jahre (831)erbot sich Herzog Bernhard auf dem Reichstage zu Dieden-hofen, die Falschheit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungendurch Zweikampf zu erweisen, und reinigte sich, da keinGegner gegen ihn auftrat, durch einen Eid.
Von da an lehnen die Söhne erster Ehe wiederholt sichgegen den Vater auf, bis endlich unter den Augen des PapstesGregor IV. im Juni 833 am Feste des heil. Johannes des