Ludwigs des Frommen erste ßegentenkandlungen. 27
Es entsprach dem wohlwollenden Gemiithe Ludwigs,wenn er auch seinen Milchbruder Ebbo, der unfrei von Ge-burt war, zu der hohen Stellung eines Erzbischofs von Reimsberief. Dieser zeigte sich, wie wir nachher sehen werden,sehr undankbar gegen seinen Wohlthäter.
[ Es liegen verschiedene Zeugnisse vor, sowohl in den Ka-pitularien, die man Reichstagsabschiede nennen könnte, alsauch in den zeitgenossenschen Geschichtswerken, dass in denletzten Jahren der Regierung Karls des Grossen mancheMissbräuche vorkamen, welche in den Jahren der Kraft desHelden nicht gewagt worden wären, ja schon in einem BriefeAlcuins, der 804 starb, wird von Missbrauch der Beamten-gewalt gesprochen. »Von dem guten Willen des Kaisers,unseres Herrn, sagt er, bin ich vollkommen überzeugt, dasser Alles in dem ihm von Gott anvertrauten Reiche nach derRichtschnur des Rechts angeordnet zu sehen wünscht, aberer hat nicht so viele Helfer, als Schädiger, nicht so vielePrediger als Räuber des Rechts.«
Durch den Druck war die Zahl der freien Grundbesitzerimmer mehr zusammengeschmolzen. Karl selbst klagt imJahre 811: »Ich vernehme, dass Bischöfe, Aebte, Grafen,Amtleute und Scbultheisse dahin trachten, die armen Leute,welche sich weigern, ihnen ihre Besitzungen zu überlassen,zu beschädigen, und sie so lange durch Aushebungen zumHeerbanne quälen, bis sie, sie mögen wollen oder nicht,ihre Besitzungen dem Dränger verkauft oder zu Lehen ge-geben haben; diejenigen aber, welche ihre Güter freiwilligabgetreten haben, sind von der Aushebung befreit und dür-fen ruhig zu Hause bleiben.« Bei den unterworfenen Stäm-men war der Druck noch grösser. Ludwig gab im zweitenJahre seiner Regierung den gemeinen freien Sachsen dasihnen entzogene Erbrecht oder die Ewa zurück. Schon imersten Jahre seiner Regierung hatte der neue Kaiser nacheinem in Achen abgehaltenen Reichstage Gesandte in alleTheile seines Reiches geschickt, um dem Gesetze Geltungzw verschaffen und den Bedrückungen der Völker abzuhelfen.Aber auch der Politik im Allgemeinen gab er eine andereRichtung, indem er die unter seinem Vater vielvermögendenEnkel Kail Martells, besonders Wala, in Ungnade entliess