Druckschrift 
1 (1877) Quellen zur Geschichte der Grafen von Achalm, Urach und Fürstenberg bis zum Jahre 1299
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Nach 811?

St. Gallen vergabte (vergl. Meyer von Knonau a. a. 0.168, Aninerk. 354). Da 884 auch ein Graf-Peringer, wohlidentisch mit dem 888 genannten Grafen dieses Namens, in der Merishauser Mark begütert erscheint (Wartmanna. a. 0. Nr. 636), gewinnt die Annahme, dass Liutold zu den Ahnen der Achalmer zu reihen sei, eine neue Stütze.Endlich erfahren wir durch eine das Vorsetzblatt der Cambridger Originalhandschrift der Kaiserchronik desEckehardvon Urach, Aura a. d. Saale, bildende Urkunde, die im Archiv der Gesellschaft f. a. deutsche Geschichtskunde, VIT494, mitgetheilt wird, dass ein Graf Egino und seine Frau Wendilgarta Urach und andere Güter in Ost"franken an Bischof Wolfger von Würzburg (f 832) vergabten. Stalin (Wirt. Gesch. II, 451) bat daran bereitsdie Bemerkung geknüpft:Es gab also auch in Pranken Eginone, welche ein Urach besaßen. Ist wohl einZusammenhang zwischen den fränkischen und schwäbischen? und sind etwa letztere durch einen salischenKönig von Franken nach Schwaben verpflanzt?" Die letztere Frage wäre, wenn anders die Vermuthung einesZusammenhangs dieses Egino nicht nur mit den Achalmern sondern auch mit den Unruochingem richtig ist,zu verneinen. Denn die Unruochinger scheinen, wie bereits erwähnt, von Geburt Schwaben angehört zu habenund verdankten ihren reichen Grundbesitz in anderen Reichsprovinzen, in Ostfranken wie im salischen Frankenund in Oberitalien, wohl erst der Gunst des karolingischen Herrscherhauses. Ein Anhaltspunkt für den Zu-sammenhang dieses Egino mit den Unruochingem liegt aber darin, dass schon der Stammvater Unruoch miteinem Würzburger Bischöfe ostfränkische Güter tauschte; sowie anderseits mit den Achalmern darin, dass nochGraf Liutold von Achalm in Ostfranken ausgedehnte Besitzungen vom Bischöfe von Würzburg zu Lehen trug(s. unten No. 7). Die beiden Grafen Egino im fränkischen Badenachgau, von denen der Vater wahr-scheinlich 886, der Sohn in der Ungarnschlacht vom 3. August 908 den Tod fand (vgl. Dümmler, Ostfränk. Reich,II, 215 u. 549), dürfen vielleicht als Nachkommen jenes Grafen Egino, der Urach vergabte, betrachtet werden.Eine von Viehbeck (Abriss einer genealogischen Geschichte des gräfl. Hauses Castell in Fi-anken, 1813) aufge-stellte Hypothese sucht in ihnen Nachkommen des fränkischen Grafen Ruodo oder Rudolf, des Vaters derKaiserin Fastrade, und in diesem den Stammherrn der jetzigen Grafen zu Castell.

So liegt die Vermuthung nahe, dass sich das Haus der Unruochinger, entsprechend den vier Reichs-provinzen , in denen es Grundbesitz und Macht erwarb, in vier Linien verzweigte: eine alamannische, lango-bardische, salische und ostfränkische.

Der Name Unruoch bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung im Gegensatze zu Ruoch, wie derschwäbische und baierische Dialekt noch heute einen gierigen, leidenschaftlich begehrlichen Menschen nennen,wohl den Gemüthsruhigen, den von Hast und Sorge Freien. Doch darf er desshalb nicht als Übernamebetrachtet werden, wie etwa Landschad bei den Steinadlern. Diese Amiahme Stalins (Wirt. Gesch. I, 564)widerlegt sich durch die Thatsache, dass der Name Unruoch, wenn auch nicht häufig und wenn auch in keinemandern der großen Geschlechter nachweisbar, doch keineswegs unseren Unruochingem eigentümlich ist. Einim Wormsgau begüterter, im sechsten Jahre der Regierung Karls d. Gr. schon verstorbener, also mit unseremGrafen keinesfalls identischer Unroch erscheint z. B. im Codex Lauresham. II, 180 u. 398, ein anderer imWonnsgau begüterter Unroh, vielleicht Sohn des letzteren, in einem Capitulare Karls d. Gr. von 812 (Mon. Germ,leg. I, 177). Ein Unroh wird in einer Regensburger Urkunde von 808 (Ried, Cod. dipl.' Ratisbon, I, 10), einHöriger Unroh im Rammagau in einer St. Galler Urkunde von 778 genannt (Wartmann a. a. 0. Nr. 82), einHunoroc homo Alamanno im Jahre 846 in Pontignano (Stalin, Wirt. Gesch. I, 391). Der letztere kamvielleicht als Dienstmann der Unruochinger nach Italien und führte den Namen nach dem Herrn. Unter KaiserOtto I. erscheint auch im baierischen Huosigau ein Graf Unarogus, Vogt des Klosters Benediktbeuem (Mon.Germ. Script. IX, 218).

Wir werden das Ergebniss dieser Untersuchungen dahin fassen Äirfen, dass die Abstammung des achal-mischen, also weiter auch des urachischen, freiburgischen und fürstenbergischen Hauses von den Unruochingerhnicht zu völliger Sicherheit, doch zu einem so hohen Grade von Wahrscheinlichkeit erhoben werden kann, wie erfür die Genealogieen gräflicher Häuser in karolingischen Zeiten selten zu überbieten ist.

m

äSSIB

gWJCg

V; ,v.

*v