2. Das Marienstift zum Kreuze auf demBerge bei Herford u. seine Besitzungen.
Als nach der Verwüstimg Herfords durch die Ungarndie von Metein nach Herford übergesiedelte Äbtissin Godesdiuoder Godesti, eine Tochter Herzog Bernhards I. von Sachsen(s. ob.), in ihrer regen Bauthätigkeit zur Erneuerung undSicherung ihres Klosters den Münster vollendet hatte und mitdem Ausbau der Klostergebäude rings um die Kirche nocheifrig beschäftigt war, trat ihr am 13. Juni 1011 in derVorbaue des Münsters ein von Hunger abgehärmter Bettel-knabe entgegen, der versicherte, in dem an das Kloster stossen-den dichten Walde eben bei hellem Tage in strahlendem Licht-glanze die Patronin des Herforder Klosters, die h. JungfrauMaria, gesehen zu haben, welche ihm befohlen habe, zumelden, wenn die Stiftsfräulein zu einem abgetöteteren Leben,als sie jetzt führten, zurückkehrten, werde die Patronin selbstdas Kloster stärker, als die neuen Mauern es könnten, immer-dar schützen; den Ort aber, wo sie ihm erschienen sei, solleman zu ihrer stets erfolgreichen Anrufung weihen. Das Zeichender Beglaubigung seiner Sendung werde sein, dass er, wennman ihn am Leibe strafen wolle, unverletzbar sein und dass,wenn man wieder zu dem Erscheinungsorte gekommen, dener mit einem aus seinem Stabe geschnitzten Kreuze bezeichnenmöge, man eine weisse Taube über dem Platze, wo MariaFuss gestanden, werde sitzen sehen. Die Äbtissin berief dieKanonissen; man beschloss auf den Kat der Geistlichen dernächsten Klöster und erfahrener Männer zu fasten und zu betenund mit dem Bettelknaben die Wasser- und Feuerprobe vorzu-nehmen. Als er dann weder im Wasser untersank noch beimTragen glühenden Eisens im geringsten verletzt wurde und manan dem Erscheinungsorte die Taube über dem Kreuze fand,da glaubte man an das, was der Knabe gesprochen, und er-baute an dem Orte eine Marienbasiliku, die man „zum Kreuze"benannte. So eine kleine, wahrscheinlich dem ll.Jahrh. an-gehörende Schrift 1 ).
1) Wilm. Addit. zum Westf. Urk. B. 117 ; vgl. Pertz SS. XI 139.