JUSTINIAN ÜBER DIE VERGIFTUNG DER BORJA
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lenken versuchte, um so mehr erweckte man ihn, und schon derUmstand, daß man es überhaupt für nötig fand, den Argwohneiner Vergiftung zu bannen, war der klarste Beweis seiner starkenVerbreitung. Manche Auskünfte, die den Gesandten erteilt wur-den, waren unglaubwürdig und unwahrscheinlich zum Greifen 60 ;nicht einmal Kardinäle konnten die Wahrheit erfahren. Da manaber vernahm, die vatikanische Klausnerin sei um ihr Gebet fürden Kranken angegangen worden, habe ihm jedoch keine Hoff-nung mehr übrig gelassen 61 , da man überdies sah, wie die Borja-leute ihre Habe fortzuschleppen und in Sicherheit zu bringentrachteten, so wußte man, wie die Stunde geschlagen habe, und daßes mit dem Papste zu Ende gehe 62 . Zwar wollten sowenig wie dieHöflinge auch die Ärzte von einer Vergiftung wissen und sprachenimmer nur von bösem Fieber und Schlagfluß, von Terziana undApoplexie 63 . Allein, hatten sie nicht auch hoch und teuer geschwo-ren, der Kardinal O r s i n i sei eines natürlichen Todes gestorben,obschon doch selbst Burchard bekannte, daß er „den Kelchgetrunken" habe? Und was dann durch Meister Scipio undseinen Kollegen über die Krankheitserscheinungen des Papstesund Cesares verlautete oder sonst durchsickerte, das wollte zuihrer Diagnose nicht stimmen, sondern legte den Schluß aufArsenikvergiftung nahe 64 . Trotz aller vatikanischen Vorsichts-maßregeln war ganz Rom der Kunde von der Vergiftung des Pap-stes voll, und mit Blitzesschnelle verbreitete sie sich sofort in alleLande. Justinian selbst ließ sie nach Venedig gelangen. Sobehutsam er sich in seinen amtlichen Schreiben an Senat undDogen aussprach, so hielt er doch in seinen beigegebenen Privat-briefen über die wahre Ursache der Erkrankung des Papstesnicht hinter dem Berge. Unter ausdrücklicher Berufung auf dieBriefe Justinians meldete S a n u t o schon zum 18. August 65 , wiees in Rom heiße, sei der Papst vergiftet und von schrecklichstemFieber, welches nicht von ihm lasse, befallen worden, eine Mel-dung, welche spätestens am 15. August aus Rom abging, an dem-selben Tage, an welchem Justinian ja auch eine Depesche an denDogen abfertigte 66 , worin der Verdacht der Vergiftung, wenn nichtmit nackten Worten ausgesprochen, so doch deutlich genugzwischen den Zeilen zu lesen war 67 . Die gleiche Botschaft ließ ernoch ausführlicher wohl auch mündlich 68 durch den berittenenKurier ausrichten, welcher mit den Papieren nach Venedig raste;
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21 Schnitzer, Peter Delfin