IL DELFINS ANFÄNGE
Unter den venezianischen Patrizierhäusern, die den Ruhm be-anspruchen durften, dem ältesten Adel der stolzen Lagunenstadtanzugehören, stand das Geschlecht Gradenigo 2 mit an vordersterStelle. Einer seiner Sprößlinge namens Adolf, Adolfinooder D o 1 f i n o genannt, wurde der Stammvater eines neuenFamilienzweiges, der nach ihm D o 1 f i n o oder D e 1 f i n o hieß.Als dann später die Anfänge in Vergessenheit geraten waren,wußte man zu erzählen, der Ahne sei ein bildhübscher Mann ge-wesen, der sich wie ein Fisch im Wasser tummelte und mit denDelphinen um die Wette schwamm, und davon habe er und seineNachkommenschaft den Namen D o 1 f i n o oder D e 1 f i n o ge-führt 3 . Auch diese neue Familie zählte zu den angesehensten derStadt, der sie eine stattliche Anzahl hoher staatlicher und kirch-licher Würdenträger schenkte, so einen Dogen, Kardinäle, Patriar-chen, Erzbischöfe und Bischöfe 4 . Einer ihrer Abkömmlinge, Vik-tor Delfin, war mit Lucia Soranzo vermählt, welcheebenfalls einem der besten Häuser entstammte. Aus dieser Eheward 1444 ein Söhnchen geboren, das in der Taufe den NamenPeter erhielt 5 und schon mit der Muttermilch Frömmigkeit undgläubigen Christensinn einsog. An der Hand seiner Tanten trip-pelte der Knabe, kaum daß er zu gehen vermochte, von Kirchezu Kirche 6 ; im Kloster S. Michael auf Murano erhielt er seit frühe-ster Kindheit seine Erziehung 6 ". Von Peter Pierleone ausRimini, einem Lieblingsschüler des gefeierten Humanisten Fi-le 1 f o , ward er in die klassischen Studien eingeführt, denen ersich mit Feuereifer hingab und für sein ganzes Leben verschrieb.Doch betrieb er nur das Lateinische; im Griechischen kam er überdie Anfangsgründe, die ihn befähigten, gelegentlich ein griechi-sches Wort in seinen Briefen einzuflechten, niemals hinaus 7 . Mitihm genoß den Unterricht Pierleones auch Peter Barozzi,der, 1441 ebenfalls aus edelstem venezianischen Blute geboren 8 ,
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