VII. DELFIN UND SAVONAROLA
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A. DIE BRIEFE.
In die vierunddreißig Jahre, während welcher Delfln an derSpitze seines Ordens stand (1480—1514), fiel auch die Zeit derWirksamkeit Savonarolas in Florenz, und da der General, soferner nicht ehen auf Reisen war, entweder in der unweit der Arno-stadt gelegenen heiligen Einsiedelei oder in einem der vier Klösterseines Ordens zu Florenz selbst weilte, so hatte er die beste Ge-legenheit, den berühmten Prediger nicht nur aus nächster Nähezu beobachten, sondern auch in persönliche Fühlung mit ihm zutreten und in dem hitzigen Streite, welcher um ihn entbrannte,für oder wider ihn Stellung zu nehmen. Delfin und Savonarola —welcher Gegensatz! Nicht leicht waren grundverschiedenereNaturen auf so engem Raum nebeneinander tätig. Savonaroladurch und durch religiös gestimmt, von früher Jugend an aufnichts so sehr wie auf Neubelebung der inmitten einer vollständigentarteten Kirche verschmachtenden Religion bedacht; Delfin, derWeltmann in der Kutte, der ein behagliches, durch Ordenssorgennicht allzu stark beschwertes Leben den heißen Kämpfen um dieKirchenreform, welche er gern anderen überließ, bei weitem vor-zog. Savonarola, der hinreißende Kanzelredner, welcher mit derunwiderstehlichen Gewalt seines zündenden Wortes die Gemüterentflammte; Delfin, der trockene Bücherwurm, welcher der Gabemündlicher Beredsamkeit gänzlich ermangelte und nur über einegefällige Feder und gewandte Umgangsformen verfügte, um aufandere zu wirken. Savonarola, der stahlharte, unbeugsame Cha-rakter, der sich weder durch Lockungen noch durch Drohungendes bewunderten Lorenzo de' Medici, noch durch denZorn eines verruchten Papstes einschüchtern ließ, sondern alsunbestechlicher Domini canis dem einen wie dem andern dieZähne wies; Delfin, der geschmeidige Höfling, welcher sein Leben