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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.

geschichtlichkeit folgern, so müßte man aus demselben Grundeauch die Ungeschichtlichkeit des Mahles in der Villa Hadriansbehaupten, welches über jede Anfechtung erhaben ist. Schondiese Erwägung lehrt, daß es mit dem Schweigen Burchards seineeigene Bewandtnis haben müsse, und er klärt uns darüber selbstauf, wenn er gelegentlich der Bestattung des vom Papste vergifte-ten Kardinals Orsini bemerkt,man dürfe nicht mehr wissen wol-len, als nötig sei". Wie leicht konnte sein Tagebuch in unrechteHände geraten und ihm zum Verderben gereichen, wenn es Dingeaussprach, welche man höheren Orts nicht ausgesprochen wissenwollte! Und so wie Burchard dachten und handelten anderegleichzeitige Schriftsteller. Auch Peter Delfin war in dierömischen Vorgänge eingeweiht, hütete sich aber ängstlich, sich inseinen Briefen hierüber auszulassen. Ebenso kannte der kirch-liche Richter, welcher das Todesurteil über den Mörder des Kardi-nals Michiel fällte, die Anstifter des Mordes sehr wohl, verschwiegaber ihre Namen,propter honestatem", wie er sagte 65 . Andersliegen die Dinge bei Justinian. Wenn er seiner Regierung inseinen amtlichen Schreiben die eingehendsten Nachrichten über denVerlauf der Krankheit des Papstes übersandte, ohne der Vergiftungzu gedenken, so geschah es, weil er seinem eigenen Geständnissezufolge seine Aufgabe darin erblickte, seiner Behörde über die vonihm als Gesandten unternommenen Schritte und die ihm darauf-hin gewordenen amtlichen Auskünfte Bericht zu erstatten und esim übrigen ihr zu überlassen, die entsprechenden Folgerungendaraus zu ziehen 56 . Daher teilte er ihr in seinen Depeschen nunauch jetzt alles mit, was er über die Krankheit des Papstes amtlicherfuhr, und das war im Grunde sehr wenig. Die Gesandten gabensich zwar, wie sie versichern 57 , alle erdenkliche Mühe, in die päpst-lichen Gemächer selbst vorzudringen, fanden diese aber seit dem12. August stets abgesperrt, konnten auch amtliche Aufschlüssefast nicht mehr erlangen, sondern mußten sich mit den magerenBescheiden zufrieden geben, welche ihnen aus zweiter Hand zu-gingen 58 . Im Vatikan war man eben krampfhaft bestrebt, dieschwere Erkrankung des Papstes möglichst zu vertuschen, unterkeinen Umständen aber von einer Vergiftung etwas merken zulassen. Man stellte den Gesandten vor, infolge der großen Hitzelitten ja auch sonst viele Leute an Fieber, doch sei an Gift nichtzu denken 50 . Je geflissentlicher man solchen Verdacht aber abzu-