Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

DIE SELBSTVERGIFTUNG DES PAPSTES

3*9

lein ins Trockene zu bringen 46 '. Der Kranke blieb inzwischen sichselbst überlassen.

Selbst wenn jedoch die legendären Bestandteile in der Er-zählung Razzis noch zahlreicher und stärker wären, als sie es tat-sächlich sind, so vermöchten sie den ihnen zugrunde liegendenfesten Kern, die Selbstvergiftung des Papstes und Cesares, dochum so weniger zu erschüttern, als diese durch anderweitige Zeug-nisse ohnehin feststeht und durch den dem Hause Hadrians nahe-stehenden Bericht Razzis nur eine Bestätigung erfährt. Wer dieganze Vergiftungserzählung von vornherein mit dem Einwändeabfertigt, die Borja seien in ihrem eigensten Gewerbe keine solchenStümper gewesen, um in einer Sache, bei welcher ihr eigenesLeben mit auf dem Spiele stand, gefährlichen Versehen Raum zulassen 47 , der verkennt die ungeheure Rolle des Zufalls in der Welt-geschichte, dessen tückisches Walten oft genug selbst die klügsteBerechnung zuschanden macht. Sicher ist jedenfalls, daß dieBorja am Mahle bei Hadrian teilnahmen und von da an auf denTod krank waren 48 . Diese plötzliche und auch alle anderen Teil-nehmer 49 befallende Krankheit hatte aber ihren Grund nicht imrömischen Fieber 50 , sondern im Gifte der Borja. Bekannte docheiner der Hauptbeteiligten, der Kardinal Hadrian selbst, demBischöfe J o v i u s von N o c e r a, er habe vom tödlichen Gifttrankegekostet und darauf eine solche Hitze in seinen Eingeweiden ver-spürt, daß sich seine Augen verdunkelten und ihm das Bewußtseinentschwand; er habe sich in kaltes Wasser tauchen müssen undsei nicht mehr zu sich gekommen, als bis ihm die Haut in Fetzenabfiel". Man macht sich die Sache doch allzu leicht, wenn mandas Zeugnis. Hadrians ohne jeden stichhaltigen Beweis mit derAusflucht beseitigt, Jovius, der es aus dem eigenen Munde desKardinals vernommen zu haben versichert, sei nicht immer glaub-würdig"; das Krankheitsbild, welches Jovius mitteilt, kann nurauf der persönlichen Erfahrung und Mitteilung eines der Erkrank-ten beruhen 53 . Es ist auch durchaus nicht an dem, daß nur aus-wärtige Schriftsteller, wie Bembo, Jovius, Sanuto undPeter M a r t y r, von Gift sprechen, während die beim TodeAlexanders anwesenden,als vortrefflich unterrichtet bekannten"Zeitgenossen, der venezianische Botschafter AntonJustinianund Johannes Burchard, nichts davon wissen 54 . Wollteman aus dem Schweigen Burchards über die Vergiftung ihre Un-