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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.
baldiger Nachfolger er dann selbst werden sollte. Wie dem auchsei, — jedenfalls hat die Schilderung, welche Razzi vom Verlaufeder verhängnisvollen Tafel gibt, viel für sich und dürfte der Wirk-lichkeit recht nahe kommen 45 . Die Ausführlichkeit, mit welcherer sich über Castellesi verbreitete, sowie die Übereinstimmungseiner Darstellung mit jener, wie sie im Hause des Cornetanersallem Anscheine nach überliefert wurde, spricht dafür, daß ercornetanischen Kreisen und Überlieferungen irgendwie nahe stand,worin immerhin schon einige Gewähr für die Geschichtlichkeitseiner Vergiftungserzählung liegt, mag diese gleich mit manchenlegendären Zügen verwoben sein. Zu diesen zählt vor allem derSchreiber, welcher, nach Razzi wie nach Bettini und den Bio-graphen Carafas vom Papste in sein Gemach geschickt, hier denDämon erblickte, nur daß es sich bei Razzi nicht wie bei den an-deren um Herbeiholung des hl. Sakramentes, sondern eines Sie-gels zur Erledigung wichtiger Bullen handelte. Mit Bettini berührtsich Razzi auch in der Annahme, Alexander sei nicht inmittenseiner Höflinge, wie die gewöhnliche Darstellung will, aus demLeben geschieden, sondern als Leiche gefunden worden, und zwarnach Razzi mit dem Kopfe auf dem Boden und mit den Füßenauf dem Rande des Bettes. Die Nachricht ist äußerst bemerkens-wert, denn sie lehrt, daß sich trotz aller Berichte Burchards undder Gesandten die Überlieferung zähe behauptete, es sei mit demTode Alexanders so eine eigene Sache gewesen. Aber selbst unterder Voraussetzung der vollen Geschichtlichkeit der ErzählungBurchards über die letzten Stunden des Papstes hat es nichts Un-wahrscheinliches an sich, daß dieser bei einem seiner heftigenFieberanfälle in einem unbewachten Augenblicke aus dem Bettefiel und nachher von seinen Leuten in der von Razzi angegebenenStellung angetroffen wurde. Der Vorfall ließe dann allerdingsdarauf schließen, daß der Papst in seiner letzten Krankheit nichtimmer sorgsam betreut wurde, was wiederum leicht begreiflichist. Wie hätten denn auch die Höflinge aufmerksamer sein sollenals Cesare, der eigene Sohn, der sich nach seinem sterbenden Vaternicht ein einziges Mal umsah 46 ! Sobald man merkte — und es ließsich den Eingeweihten nicht lange verbergen —, daß es mit demPapste zu Ende gehe, herrschte im Vatikan ein wirres Darunterund Darüber, da alles nur mehr darauf bedacht war, sein Schaf-