DAS SCHÄNDLICHE LEBEN ALEXANDERS VI.
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am schimpflichen Ende des großen Predigers nahmen. Zwar ver-ehrten ihn die Piagnonen als glorreichen Blutzeugen Christi. Aber,erwiderten die Gegner, wie kann man einen Mann als Heiligenfeiern, welcher auf Befehl des Papstes seinen Tod fand, währenddoch einst die heiligen Märtyrer lediglich das Opfer gottloserTyrannen waren? Allein, gibt Razzi zur Antwort, man muß ebenzwischen Papst und Papst unterscheiden und sehr wohl be-denken, daß auch Päpste zu Tyrannen ausarten und dann Mär-tyrer schaffen können. Das war nun aber mit Alexander tat-sächlich der Fall, da er seine Würde simonistisch erkaufte undseine Schafe nicht weidete, sondern ausbeutete und den Gläubigenschwerstes Ärgernis gab. Vor seiner Erhebung zum Papsttumehielt er stets mehrere Kebsen, von welchen eine jene RömerinVanozza war, die ihm vier Söhne und zwei Töchter gebar Bb ;sie nahmen fast alle ein übles Ende. Daß er nun aber, so fährtRazzi in seiner Erzählung fort, als Papst erst recht das schänd-lichste Leben führte, ist bekannt. Wie viele Kardinäle und Prä-laten ließ er zu Unrecht umbringen, um ihr Vermögen an sich zureißen! Wie viele Simonien beging er zu seiner Zeit, da allesKirchliche käuflich schien! Wie viele Schamlosigkeiten herrsch-ten an seinem Hofe! Ergötzte er sich doch, wie einige schreiben,an den unehrbaren und schmutzigen Lustspielen des P 1 a u t u s ,er, der Papst! Vernehmet mit Abscheu, was man von ihm be-richtet! Er ließ einmal eine Komödie im Palaste aufführen, inwelcher acht bis zehn Hirten auftraten, nur vom Gürtel aufwärtsmit Joppen bekleidet. Da sie nun so all ihre Scham aufwiesen, soverhüllten sich die anwesenden Frauen, um eine solche Unflätigkeitnicht zu sehen, die Augen. Er aber, aller Scham und Gottesfurchtbar, zwang die Gattin Cesares Sc , seines Sohnes, den Schleier vonden Augen zu nehmen, und dasselbe mußten auch die anderenFräulein tun. Ein andermal sagte er eine Jagd an, ließ dannden Petersplatz von allen Seiten absperren und nun am fest-gesetzten Tage in Gegenwart der Prälaten, der Frauen und desVolkes auf der einen Seite eine Schar ungesattelter Stuten, aufder anderen Seite die entsprechende Anzahl junger, ebenfalls un-gesattelter Maulesel hereintreiben, und es ist nicht zu glauben,welchen Lärm, welches Getrampel, welch geiles Gewieher die aus-gelassenen Tiere in ihrem wollüstigen Treiben unter den Augender Frauen, der Kardinäle und Alexanders selbst vollführten!
20 Schnitzer, Peter Delfin
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