DAS ZEUGNIS BETTINIS
301
hier eine Ausnahme; auch er weilte nicht im Sterbezimmer, alsAlexander verschied, sondern wurde, wie er selbst schreibt 53c , erstmehrere Stunden nach dem Verscheiden zum Leichendienste be-rufen. Somit gehen die Berichte der Gesandten und Burchardsletzthin auf eine gemeinsame Quelle zurück, aus welcher siaalle gespeist wurden; sie bilden daher auch zusammen nur mehrein einziges Zeugnis, welchem das Bettinis entgegensteht. Ander-seits mag man dem Dominikaner Bettini wohl vorwerfen, er sei inseiner Feindseligkeit gegen den Borja darauf bedacht, ihm einmöglichst übles Ende nachzusagen; man wird aber nicht zu be-streiten vermögen, daß auch die Borjaleute, von welchen Bur-chard und die Gesandten ihre Aufschlüsse bezogen, allen Grundhatten, den Papst um so erbaulicher sterben zu lassen, je unerbau-licher er gelebt hatte, und am erbaulichsten gerade dann, wenn esmit seinem Ende etwa gar eine besondere Bewandtnis hatte. Daßman schon früh darauf ausging, die Kunde von einem möglichstfrommen Tode Alexanders auszusprengen, das lehrt das Beispieldes Bischofs Celadoni von Gallipoli, welcher in seiner An-sprache an die Kardinäle bei ihrem Eintritte ins Konklave am16. September 1503 bereits zu melden wußte, der Papst habe dieheilige Wegzehrung dem Vernehmen nach mit reuiger,schmerzerfüllter Seele unter Tränen empfangen B3d , wovonBurchard und die Gesandten noch nichts wissen. Demnach stehtes doch keineswegs so. als walte zwar auf Seiten des Domini-kaners unverkennbare Parteilichkeit, auf der Gegenseite aberlautere Vorurteilslosigkeit und Unbefangenheit, sondern keinerder beiden Teile war ganz sine ira et studio. Auch der Einwandist nicht stichaltig, Bettinis Aussage könne sich mit den gegne-rischen schon aus dem Grunde nicht messen, weil diese denfraglichen Ereignissen völlig gleichzeitig seien, während er erstviel später schrieb. Denn mochte seine Angabe immerhin erstspäter aufgezeichnet worden sein, so floß sie doch aus dem Mundeeines Mannes, welcher den Ereignissen ebenso persönlich alsZeuge anwohnte wie die Gewährsleute der Gesandten. Über diePersönlichkeit dieses Anton von Veraila wissen wir frei-lich nichts Näheres; ebensowenig kennen wir aber die Hinter-männer Burchards und der Gesandten, wir vermögen uns alsokein Urteil darüber zu bilden, ob und inwieweit sie als glaub-würdig gelten dürfen.
;
!
K