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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.

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jedoch sofort die schwersten Bedenken. Schon die Unge-heuerlichkeit seines Inhaltes empört uns. Nicht als ob sieallein schon genügte, ihn von vorneherein ohne weiteres abzu-lehnen; sind wir doch durch die Geschichte des Borja längst da-rauf gefaßt, in geschlechtlichen Dingen bei ihm nicht leicht etwasfür unmöglich zu halten. In der Tat ist es bei Alexanders hem-mungsloser Leidenschaftlichkeit keineswegs ausgeschlossen, daßer, ohnehin stets von einem Harem schöner Mädchen umgeben,deren Gesellschaft ihm nachgerade zum unentbehrlichen Bedürf-nisse und zur zweiten Natur geworden war 53 , in ihrer UmarmungVergessen gegen die in seinen vergifteten Eingeweiden wühlendenSchmerzen suchte und sich, als fände er hier eine Zuflucht vordem heranschleichenden Tode, wie rasend unter die Weiber ver-kroch und sich in ihre Brüste verkrallte, so daß sie brüllten ausSchmerz und vielleicht auch aus Grauen vor den verzerrten Zügendes Sterbenden. Wie kann aber der Papst in den Armen derMädchen gestorben sein, wenn er doch der Erzählung seinesZeremonienmeisters zufolge 63 " an seinem Sterbetage vom frühenMorgen an bis zum Augenblicke seines Verscheidens um dieVesperstunde (18. August 1503) ununterbrochen von Prälaten undHöflingen umgeben war? Wie kann diesem Zeugnisse Burchardsgegenüber, welches überdies durch die noch am Sterbetage selbstausgefertigten Berichte der Gesandten von Venedig, Ferrara undMantua sowie durch den späteren des Geschäftsträgers des Kaisersbestätigt wird, die vereinzelte Aussage Bettinis bestehen? Wiekann überhaupt die Angabe eines feurigen Piagnonen zu Lastendes Borja ins Gewicht fallen?

Allein so kritisch wir der Erzählung Bettinis gegenüberstehenmögen, so dürfen wir sie doch auch nicht zu leicht nehmen. Denneinerseits beruht die Nachricht über die letzten Stunden Alexan-ders, mag sie gleich durch Burchard und die Gesandten bezeugtsein, doch nicht auf ihrer eigenen persönlichen Wahrnehmung;keiner von den Gesandten war beim Tode des Papstes zugegen,keiner drang während der ganzen Zeit der Krankheit des Papstesauch nur bis an sein Lager vor, immer wieder jammern sie inihren Depeschen, daß sie den Vatikan verschlossen fänden undsich mit den kümmerlichen, dazu mitunter noch handgreiflichunwahren Bescheiden zufrieden geben müßten, welche man ihnenzugehen zu lassen für gut fand 53b . Nicht einmal Burchard bildete