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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.

Aus all dem ergibt sich, daß in Sachen des Todes Alexanders von der Vergiftung vorerst noch ganz abgesehen Aussagegegen Aussage steht, und daß sich Bedenken gegen jede erhebenlassen. Gewiß wird man geneigt sein, den beruhigenderen An-gaben Burchards und der Gesandten den Vorzug vor der auf-regenden Mitteilung Bettinis einzuräumen. Aber für vollständigaus der Luft gegriffen wird man doch auch die Erzählung desDominikaners trotz oder vielmehr gerade ob ihrer Ungeheuerlich-keit nicht halten können; welche Phantasie wäre denn auch im-stande, so Grauenhaftes zu ersinnen! So könnte es immerhin sein,daß sich der Bericht Bettinis bzw. seines vatikanischen Gewährs-mannes Anton von Veralla auf einen dem Sterbetage desPapstes vorausgehenden Zeitpunkt seiner letzten Krank-heit bezieht und die Äußerung, er sei gestorben wie ein Frosch,in dem weiteren Sinn gemeint ist, er habe noch auf dem Sterbe-lager, im Angesichte des Todes, seiner Leidenschaft gefrönt undsei den Dirnen beinahe in den Armen geblieben. Geschah eswirklich, so konnte es nur durch einen unbeteiligten Laien wieAnton von Veralla in die Außenwelt dringen; die Kurialen mußtenin jedem Falle den Schein wahren und den peinlichen Vorfallsorgfältigst vertuschen, von dem Bestreben geleitet, von welchemsich ja auch die Prälaten unter Julius II. beherrschen ließen,möglichst alles zu verschweigen,was dem Klerus zur Schandegereichen würde".

Dahingestellt muß ferner auch bleiben, was an der MeldungBettinis ist, J u 1 i u s IL habe dem Borja das schauerliche Schick-sal des Papstes Formosus bereiten und seinen Leichnamdurch die Straßen der Ewigen Stadt zum Schindanger schleifenlassen wollen. Sicher ist immerhin, daß Julius seinen Vorgängerverabscheute und haßte 54 . Paris de Grassis, BurchardsNachfolger als päpstlicher Zeremonienmeister, berichtet alsAugen- und Ohrenzeuge 56 , Julius habe vom 26. November 1507 andie oberen vatikanischen Gemächer bezogen und die Borja-zimmer, worin sich ein Freskobild Alexanders befand, mit derErklärung verlassen, er habe es satt, die Gestalt seines Vorgängers,seines Feindes, welchen er einen Marranen und beschnittenenJuden nannte, immer vor Augen zu haben. Als Paris mit einigenHöflingen darüber lachte, nahm es ihm der Papst beinahe übel,daß er seiner Versicherung, Alexander sei beschnitten gewesen,